30 November 2012

9d-1) Wirth p.35-38

Übersetzung Ura Linda Chronik 1933

{029/13}
NETLIKA SÉKA UT.A NÉILÉTNE SKRIFTUM MINNO.S.

Nützliche Sachen aus den nachgelassenen Schriften Minnos

MINNO WAS EN ALDE SÉKÉNING. SIANER AND WIS.GIRICH.
AN THA KRÉTAR HETH.I ÉWA JÉVEN.
HI IS BARN ANDA LINDA.WRDA
AND NÉI AL SIN WITHER.FARA
HETH HI THAT LUK NOTEN
VMBE TO LINDA.HÉM TO STERVA.

Minno war ein alter Seekönig, Seher und Weisgieriger.
Den Kretensern hat er Gesetze gegeben.
Er is geboren an den Lindaorten,
und nach all seinem Widerfahren
hat er das Glück genossen,
in Lindaheim zu sterben.

1. SAHWERSA VSA SWETHNATA EN DÉL LAND HAVE
JEFTHA WÉTIR THAT VS GOD TOLIKTH
SA FOCHT.ET VS VMBE THAT A KAP TO FRÉJA
NILLATH HJA THAT NAVT NE DVA
THAN MOT MAN HIA THAT BIHALDA LÉTA.

So wenn unsere Nachbarn ein Teil Land
oder Wasser haben, das uns gut scheint,
so fügt es sich für uns,
daß wir es zu Kauf fragen;
wollen sie das nicht tun,
dann muß man sie das behalten lassen.

THAT IS NÉI FRYA HIS TEX
AND ET SKOLDE VNRJUCHT WÉSA
TO VNTHANDANA THAT.

Das ist nicht [nach] Fryas Rat,
und es würde Unrecht sein,
es abzuhändigen.

SAHWERSA THÉR SWETHNATA ET SÉMNE KYVA AND SANA
VR ENDZE SÉKA THA VR LAND
AND HJA VS FRÉJA EN ORDÉL TO SPRÉKA.
SA ACH MAN THAT RÉDER AFTER.WÉJA TO LÉTANE.
TACH SA MAN THÉR NAVT BUTA NE KAN.
SA MOT MAN THAT ÉRLIK AND RIUCHTFÉRDICH DVA. {30}

So wenn Nachbarn zusammen keifen und sreiten
über andere Sachen als Land,
und sie bitten uns, ein Urteil zu sprechen,
so soll man das lieber unterbleiben lassen.
Doch wenn man da nicht umhin kann,
so soll man das ehrlich und rechtfertig tun.

KVMTH THÉR HWA AND SÉITH.
IK HAV ORLOCH
NW MOST.V MI HELPA.
JEFTHA EN ORA KVMTH AND SÉITH
MIN SVN IS VN.JÉRICH AND VN.BIKVMEN
IK BIN ALD
NW WILD IK THI TO WARANSTEW
OVIR HINI AND OVIR MIN LAND STALLA.
TIL HI JÉRICH SY.

Kommt da jemand und sagt:
»Ich habe Krieg,
nun müßt ihr mir Helfen«,
oder ein anderer kommt und sagt:
»Mein Sohn is unjährig und unfähig,
und ich bin alt;
nun will ich dich zum Vormund
über ihn und über mein Land stellen,
bis er jährig sei«,

SA ACH MAN THAT WÉIGZARJA
TILTHJU WI NAVT AN TWIST NE KVME NE MUGE
VR SÉKA. STRIDANDE WITH VSA FRYA SÉDUM.

–so hat man das zu verweigern,
auf daß wir nicht in Zwist kommen mögen
über Sachen, widerstreitend unseren freien Sitten.

SAHWERSA THÉR KVMTH EN VRLANDISK KAP.MAN
VPPA TOLÉT MARK ET WIRING.GA THA TO AL.MAN.LAND
AND HI BIDROGHT
SA WARTH.ER BISTONDA MARK.BÉTEN
AND KANBÉR MAKAD THRVCH THA FAMNA INVR ET ÉLE LAND.

So wenn da kommt ein ausländischer Kaufmann
auf den zugelassenen Markt zu Wyringen oder zu Almanland
und er betrügt,
so wird ihm sofort Marktbuße auferlegt
und er durch die Maiden über das ganze Land kennbargemacht.

KVMTH.ER THAN TO BAK
SA NE SKIL NIMMAN KAPJA FON HIM.
HY MÉI HINNE BRUDA 

SA.R KVMEN IS.

Kommt er dann zurück,
so soll niemand von ihm kaufen:
er soll sich davonmachen,
so wie er gekommen ist.

THUS. SAHWERSA.R KAP.LJUD KÉREN WRDE
VMBE WRA MERKA TO GA.
JEFTHA MITH.E FLAT TO FARANE
SA ACH MAN ALLÉNA ALDVLKERA TO KJASANE
THAM MAN TIGE BY TIGE KANTH
AND AN.EN GODA HROP STANE BY THA FAMNA.

Desgleichen, so wenn Kaufleute gekoren werden,
um zu Markt zu gehen
oder mit der Flotte zu fahren,
so hat man allein solche zu kiesen,
die man Zug um Zug kennt
und die in einem guten Rufe stehen bei den Maiden.

BÉRTH.ET NAVT TO MIN
THAT.ER EN ARG MAN MONG SY.
THAM THA LJUD BITROGHA WIL
SA AGON THA ORA THAT TO WÉRANE.

Geschieht es trotz alledem,
daß ein arger Mann sich darunter befindet,
der die Leute betrügen will,
so haben die anderen dem zu wehren.

HETH.I.T.AL DÉN
SA MOT MAN THAT BÉTERJA.
AND THENE MIS.DÉDAR UT OF LANDUM BANNA.
TILTHJU VSA NAMA VR AL MITH ÉRANE SKIL WERTHA BINOMATH.

Hat er es schon getan,
so muß man das bessern
und den Missetäter aus den Landen bannen,
auf daß unser Name überall mit Ehren genannt werden soll.

MEN JEF WI VS VPPEN VRLANDISKA MARKT FINDA.
SY.ET HÉINDE JEFTHA FÉR
AND BÉRTH.ET THAT.ET FOLK VS LÉT DVATH THA BISTÉLLETH.
SA AGON WY MITH HASTE HÉI TO TO SLANA.

Aber wenn wir uns auf einem ausländischen Markt befinden,
sei es nah oder fern,
und es geschieht, daß das Volk uns Leid tut oder bestiehlt,
so haben wir mit hurtigem Sinne zuzuschlagen;

HWAND AFSKÉN WI ÉLLA {31} AGON TO DVANDE
VMBE FRÉTHO WILLA
VSA HALF.BROTHAR NE MUGON VS NIMMER MIN.ACHTJA
NACH WANA THAT WI ANGE SEND.

denn, obschon wir alles tun
um des Friedens willen,
unsere Halbbrüder dürfen uns niemals gering achten
noch wähnen, daß wir ängstlich sind.

~ ~ ~
IN MIN JUGED HAV.IK WEL ÉNIS MORT.
OVERA BANDA THÉRA ÉWA.
AFTER HAV.IK FRYA OFTEN TANKED VR HIRA TEX
AND VSA ÉTHLA VR THA ÉWA
THÉR THÉRNÉI TAVLIKT SEND.

In meiner Jugend habe ich wohl einmal gemurrt
über die Banden der Gesetze;
nachher habe ich Frya oftmals gedankt für ihren Rat
und unseren Ahnen für die Gesetze,
die darnach geschaffen sind,

~ ~ ~
WR.ALDA JEFTA AL.FODER HETH MI FÉLO JÉREN JÉVEN.
INVR FÉLO LANDA AND SÉA HAV.IK OMME.FAREN.
AND NÉI AL HWA.K SJAN HA.
BIN.IK VRTJUGAD
THAT WI ALLÉNA TRVCH AL.FODER
UTFORKÉREN SEND. ÉWA TO HAVANDE.

Wralda oder der Allernährer hat mir viele Jahre gegeben,
über viele Lande und Seen bin ich umgefahren
und nach allem, was ich gesehen habe,
bin ich überzeugt,
daß wir allein von dem Allernährer
auserkoren sind, Gesetze zu haben.

LYDA.S FOLK NE MÉI NÉN ÉWA TO MAKJANDE
NI TO HALDANDE.
HJA SIND TO DVM AND WILD THÉR TO.
FÉLO SLACTA FINDA.S SEND SNOD ENOCH.
MEN HJA SEND GIRICH. HACH.FARANDE.
FALSK. VNKUS AND MORT.SJOCHTICH.

Lydas Volk vermag weder Gesetze zu machen
noch zu halten:
sie sind zu dumm und zu wild dazu.
Viele Geschlechter Findas sind klug genug,
aber sie sind gierig, hochfährtig,
falsch, unkeusch und mordsüchtig.

~ ~ ~
POGA BLÉSATH HJARA SELVA VPPA.
AND HJA NE MUGATH NAWET THAN KRUPA.
FORSKA HROPATH WARK. WARK.
AND HJA NE DVATH NAWET AS HIPPA AND KLUCHT MAKJA.

Poggen blähen sich selber auf,
und sie können nichts als kriechen.
Frösche rufen »werk, werk«,
aber sie tun nichts als hüpfen und Possen reißen.

THA ROKA HROPATH SPAR. SPAR.
MEN HJA STÉLON AND VRSLYNATH AL
WAT VNDER HJARA SNAVELA KVMATH.

Die Raben rufen »spar, spar«,
aber sie stehlen und verschlingen alles,
was unter ihren Schnabel kommt.

LIK ALTHAM IS THAT FINDAS.FOLK.
HJA BOGATH IMMER OVIR GODA ÉWA.
EK WIL SETMA MAKJA VMB.ET KWAD TO WÉRANE.
MEN SELVA NIL NIMMAN THER AN BONDEN WÉSA.

Allen denen gleich ist das Findavolk:
sie rühmen sich laut der guten Gesetze.
Ein jeder will Satzungen machen, um dem Übel zu wehren,
aber selber will niemand dadurch gebunden sein.

THÉRA. HWAM.HIS GAST THAT LESTIGOSTE SY.
AND THÉRTRVCH STERIK.
THAM.HIS HONE KRÉIATH KÉNING.
AND THA ORA MOTON ALWENNA
AN SIN WELD VNDER.WURPEN WÉSA
TIL EN OTHER KVMTH
THÉR.IM {32} FON.A SÉTEL DRIWET.

Derjenige, dessen Geist der listigste ist
und dadurch der stärkste,
dessen Hahn kräht König,
und die anderen müssen alleweg
seiner Gewalt unterworfen sein,
bis ein anderer kommt,
der ihn von seinem Sessel vertreibt.

~ ~ ~
THAT WORD ÉWA IS TO FRAN
VMBE AN MÉNA SÉKA TO NOMANDE.
THERVMBE HET MAN VS ÉVIN SEGA LÉRTH.

Das Wort »Ewa« (Gesetz) is zu heilig,
um eine gemeine Sache zu nennen.
Darum hat man uns gelehrt, »evin« zu sagen.

~ ~ ~
ÉWA THAT SÉIT SETMA
THÉR BI ALLER MANNISKA ÉLIK
AN HJARA MOD PRENTH SEND.
TILHJU HJA MUGE WÉTA
HWAT RJUCHT AND VNRJUCHT SY.

»Ewa« bedeutet »Setma« (Satzungen),
die bei allen Menschen gleicherweise
in ihrem Gemüt eingegraben sind,
auf daß sie mögen wissen,
was recht und unrecht ist,

AND HWÉRTRHVCH HJA WELDICH SEND
VMBE HJARA AJNE DÉDA
AND THAM FON ORUM TO BIRJUCHTANDE.
THAT WIL SEDSA.
ALSANAKA HJA GOD AND NAVT MISDÉDECH VPBROCHT SEND.

und wodurch sie Gewalt haben,
ihre eigenen Taten
und die anderer zu berechten,
das will sagen,
insofern sie gut und nicht missetätig [erzieht] sind.

~ ~ ~
AK IS.ER JET.EN ORA SIN AN FAST.
ÉWA SÉIT AK. É.LIK WÉTER.LIK.
RJUCHT AND SLJUCHT AS WÉTER
THAT THRVCH NÉN STORNE.WIND
JEFTA AWET OWERS VRSTOREN IS.

Auch ist noch ein anderer Sinn damit verbunden.
»Ewa« sagt auch Eegleich, wassergleich,
recht und schlecht wie Wasser,
das durch keinen Sturmwind
oder etwas anderes verstört ist.

WARTH WÉTER VRSTOREN
SA WARTH.ET VN.ÉWA. VNRJUCHT.
MEN.ET NIGTH ÉVG
VMBE WITHER ÉWA TO WERTHANDE.
THAT LÉITH AN SIN FONSELV.HÉD.
ALSA THA NIGUNG TO RJUCHT AND FRYDOM
IN FRYA.S BERN LEITH.

Wird das Wasser verstört,
so wird es »unewa« (uneben), unrecht (ungrade),
aber es neigt »ewig« dazu
wieder »eben« zu werden.
Das liegt an seiner Vonselbstigkeit,
wie die Neigung zu Recht und Freiheit
in allen Fryaskindern liegt.

[comment Wirth:
Wortspiel zwischen ivin, iven, even, evene, evna, efna, westfriesisch ewa, ewen = »eben« und ā, ē, ewe, ewa = »Gesetz« und ā, ē = »Wasser« aus Altsächsisch, Althochdeutsch aha, angelsächsisch ēa usw.]

THESSA NIGUNG HAVATH WI
TRVCH WR.ALDA.S GAST. VSA FODERS.
THÉR IN FRYAS BERN BOGTH
THÉRVMBE SKIL HJU VS AK ÉVG BIKLIWA.

Diese Neigung haben wir
durch Wraldas Geist, unseres Vaters,
der in Fryas Kindern laut spricht:
Darum wird sie in uns auch ewig bekleiben.

ÉWA. IS AK THET ORA SINNA.BYLD FON WR.ALDA.S GAST.
THÉR ÉVG RJUCHT AND VN.FORSTOREN. BILIWATH
AFSKÉN.ET AN SIN LICHÉME ARG TO GÉIT.

»Ewa« (ewig) ist auch das andere Sinnbild des Geistes Wraldas,
der ewig recht (gerade) und unverstört bleibt,
obschon es in seinem Leib (die Welt) arg zugeht. 

ÉWA AND VNFORSTOREN
SEND THA MARKA THÉRA WISDOM AND RJUCHTFÉRDICHHÉD
THÉR FON ALLA FRÉMO MANNISKA SOCHT
AND TRVCH ALLA RJUCHTERA BISÉTEN WRDEN MOT.

Ewig und unverstört
sind die Merkmale der Weisheit und Gerechtigkeit,
die von allen frommen Menschen gesucht
und von allen Richtern besessen werden müssen.

~ ~ ~
WILLATH THA MANNISKA THUS SETMA AND DOMAR MAKJA
THÉR ALAN GOD BILIWA AND ALLERWYKES
SA MOTON HJA ÉLIK WÉSA
TOFARA ALLE MANNISKA {33}
NÉI THISSE ÉWA ACHAT THA RJUCHTERA
HJARA ORDÉL UT TO KÉTHANDE.

Wollen die Menschen also Gesetz- und Rechtssatzungen machen,
die allein gut bleiben und alleweg,
so müssen sie gleich sein
für alle Menschen.
Nach diesen Gesetzen gehört es den Richtern,
ihr Urteil zu verkünden.

IS THÉR ENG KWAD DÉN
HWÉRVR NÉN ÉWA TAVLIKT SEND
SA MOT MAN ÉNE MÉNA ACHT BILIDSA
THÉR ORDÉLTH MAN NÉI THA SIN
THÉR WR.ALDA.S GAST AN VS KÉTH
VMBE OVER ELLA
RJUCHT.FÉRDICH TO BIRJUCHTANDE.

Ist da einiges Übel getan,
derob keine Gesetze geschaffen sind,
so muß man eine gemeine Acht (Volks- oder Gerichtsversammlung) belegen.
Da urteile man nach dem Sinne,
den Wraldas Geist in uns kündet,
um über alles gerecht zu berechten.

ALTHUS TO DVANDE
NE SKIL VS ORDÉL NAMMER FALIKANT UT NE KVMA.
NE DVATH MAN NÉN RJUCHT MEN VNRJUCH.
ALSA RIST THÉR TWIST AND TWISPALT
EMONG THA MANNISKA AND STATA.
THÉR.UT SPRUT INLANDISKA ORLOCH.
HWÉRTHRVCH ELLA HOMLJATH AND VRDAREN WARTH.

Tun wir dermaßen,
so wird unser Urteil nimmer fehlschlagen.
Tut man nicht recht, aber unrecht,
so erhebt sich Zwist und Zwiespalt
unter den Menschen und Staaten;
daraus sprießt inländischer Krieg,
wodurch alles zersört und verdorben wird.

MEN O DVMHÉD.
DAHWILA WI TO DVANDE SEND EKKORUM TO SKADANE
KVMTH.ET NIDIGE FOLK FINDA.S
MITH HJARA FALSKA PRESTERUM
JVW HAWA TO RAWANDE
JVWA TOGHATERA TO SKANDANE.
JVWA SÉDA TO VRDVA

Aber, o Dummheit,
dieweil wir so tun und einander schaden,
kommt das neidische Volk Findas
mit seinen falschen Priestern,
eure Habe zu rauben,
eure Töchter zu schänden,
eure Sitten zu verderben

AND TO THA LESTA
KLAPPATH HJA SLAVONA.BANDA OM JAHWELIKES FRYA HALS.

und zuletzt
die Sklavenbande um jedwedens freien Hals zu schlingen.

29 November 2012

10e-1) Wirth p.35

Übersetzung Ura Linda Chronik 1933

{044/07}
ORLOCH WAS VRTIGEN
MEN NÉD WAS KVMEN AN SIN STÉD.
NW WÉRON HIR THRÉ MANNISKA
THÉR EK EN BUDA KÉREN STÉLON
FON ASVNDERGANE ÉJNHÉRA.
THA HJA WRDON ALLE FAT.

Krieg war verzogen,
aber Not war an seiner Statt gekommen.
Nun gab es drei Menschen,
deren jeder einen Sack Korns stahl
von absonderlichen Eignern.
Doch sie wurden alle gefaßt.

NW GVNG THENE ÉROSTA TO
AND BROCHT THENE THJAF BY THA SKELTE.
THA FAMNA THÉRVR KALTANDE SÉIDON ALLERWÉIS
THAT I DÉN HÉDE NÉI THA RJUCHT.

Nun ging der erste hin
und brachte den Dieb zum Schulten.
Die Maiden darob sprechend sagten allewege,
daß er nach dem Rechte getan hätte.

THI ORA NAM THENE THJAF THAT KÉREN OF
AND LÉTH IM FORTH MITH FRÉTO.
THA FAMNA SÉIDON.
HI HETH WEL DÉN.

Der andere nahm dem Dieb das Korn weg
und ließ ihn fürder mit Frieden.
Die Maiden sagten,
er hätte wohl getan.

MEN THI THREDDE ÉJNHÉR
GVNG NÉI THA THJAF SIN HUS THA.
ASSER NW SACH
HO NÉD THÉR SIN SÉTEL VPSTALTH HÉDE.
THA GVNG HI TO.BAK
AND KÉRDE WITHER.
MITH EN WÉIN FOL NÉDTHREFTUM
THÉR HI NÉD MITH FON THÉRE HÉRD OF DRIWE.

Aber der Dritte Eigner
ging hin zu dem Hause des Diebes.
Als er nun sah,
wie Not ihren Sessel ausgesellt hatte,
da ging er zurück
und kehrte wieder
mit einem Wagen voller Notdurft,
damit er die Not von dem Herd vertriebe.

FRYA.S FAMNA HÉDON BY HIM OMME WARATH
AND SIN DÉD AN DAT ÉVGE BOK SKRÉVEN
DAHWILE HJA AL SINA LÉKA UT FACTH (FACHT) HÉDE.
THJU ÉRE MODER WAS ET SÉID
AND HJU LÉTH ET KUNDICH DVA
THRVCH THAT ÉLE LAND.

Fryas Maiden waren bei ihm einhergegangen
und hatten seine Tat in das ewige Buch geschrieben,
derweilen sie alle seine Mängel ausgewischt hatten.
Der Ehrenmutter ward es gesagt,
und sie ließ es kundmachen
durch das ganze Land.

9c) Wirth p.32-35

Übersetzung Ura Linda Chronik 1933

{040/11}
HIR VNDER SEND THRÉ WÉTA. 
THÉR AFTER SEND THISSA SETMA MAKAD.

Hierunter sind drei Wissen,
darnach sind diese Satzungen gemacht


1. ALLERA MANNALIK WÉT
THAT I SIN BIHOF MOT.
MEN WARTH AMMON SIN BIHOF VNTHALDEN
SA NÉT NÉN MAN HWAT ER SKIL DVA
VMBE SIN LIF TO BIHALDANDE.

1 Ein jeder weiß,
daß er seinen Behuf haben muß;
aber wird einem seinen Behuf vorenthalten,
so weiß niemand, was er tun soll,
um seinen Leib zu behalten.

2. ALLE ELTE MINNISKA WERTHAT DRONGEN
A BARN TO TÉJANDE.
WARTH THAT WÉRTH. SA NÉT NIMMAN
WATH ARGES THÉROF KVME.

2 Alle gesunden Menschen werden gedrungen,
Kinder zu zeugen:
wird dem gewehrt, so weiß niemand,
was Arges darob kommen kann.

3. ALREK WÉT
THAT.I FRY AND VNFORLÉTH WIL LÉVA.
AND THAT ORE THAT AK WILLE.

3 Ein jeder weiß,
daß er frei und ungeletzet will leben
und daß andere das auch wollen.

UMBE SÉKUR TO WÉSANDE 
SEND THESA SETMA AND DOMAR MAKAD.

Um sicher zu sein,
sind diese Satzungen und Rechtsbestimmungen gemacht.


THAT FOLK FINDA.S HETH AK SETMA AND DOMAR.
MEN THISSA NE SEND NAVT NÉI THA RJUCHT.
MEN ALLÉNA TO BATA THÉRA PRESTERA AND FORSTA.
THANA SEND HJARA STATA IMMERTHE FVL TISPALT AND MORD. {41}


Das Volk Findas hat auch Satzungen und Rechtsbestimmungen,
jedoch diese sind nicht nach dem Recht,
sondern allein zum Nutzen der Priester und Fürsten.
Demzufolge sind ihre Staaten voller Zwiespalt und Mord.

1. SAHWERSA IMMAN NAD HETH
AND HI NE KAN HIM SELVA NAVT NE HELPA
SA MOTON THA FAMNA THAT KVNDICH DVA AN THA GRÉVA.
THÉRFAR THAT ET EN STOLTE FRYA.S NAVT NE FOCHT
THAT SELVA TO DVA.

1 So wenn jemand Not hat
und er kann sich selbst nicht helfen,
so müssen die Maiden dies zur Kenntnis des Grafen bringen,
derhalben weil es sich für einen stolzen Fryas (Friesen) nicht fügt,
dies selber zu tun.

2. SA HWA ARM WARTH
THRVCHTHAM HI NAVT WARKA NIL.
THÉR MOT TO THAT LAND UT DRÉVEN WERTHA.
HWAND THA LAFA AND LOMA SEND LESTICH AND ARG TANKANDE.
THÉRVMBE ACH MAN TO WÉRANA THAM.

2 So wenn jemand arm wird,
dadurch daß er nicht arbeiten will,
so muß er aus dem Lande ausgetrieben werden.
Denn die Feigen und Trägen sind lästig und Arges denkend,
darum soll man ihnen wehren.

3. JAHWÉDER JONG KERDEL ACH EN BRUD TO SÉKA
AND IS ER FIF AND TWINTICH
SA ACHTER EN WIF TO HAVA.

3 Jeglicher junger Mann soll eine Braut suchen,
und is er fünfundzwanzig Jahr,
so soll er ein Weib haben.

4. IS HWA FIF AND TVINTICH
AND HETH ER NÉN ÉNGA
SA ACH EK MAN HIM UT SIN HUS TO WÉRANE.
THA KNAPA ACHON HIN TE FORMYDA.

4 Is jemand fünfundzwanzig Jahr
und hat er noch keinen Ehegatten [Einige ~ Oth.],
so soll man ihm sein Haus verwehren.
Die Knaben sollen ihn meiden.

NIMTH ER THAN NACH NÉN ÉNGA
SA MOT MAN HIN DAD SÉGZA
TILTHJU HI UT OF LANDE BRUDE
AND HIR NÉN ARGENESE NÉVA NE MÉI.

Nimmt er dann noch keinen Ehegatten,
so soll man ihn totsagen,
auch daß er aus dem Lande fortziehe
und hier kein Ärgernis geben mag.

5. IS HWA WRAK
THAN MOTER AVBÉR SÉGZA
THAT NIMMAN FON HIM TO FRÉSANE
NACH TO DUCHTANE HETH.
SA MÉI R KVMA HWER ER WIL.

5 Ist einer unvermögend,
dann soll er es offenbar sagen,
daß niemand vor ihm zu fürchten
noch sich vorzusehen hat.
Alsdann mag er kommen, wo erwill.

6. PLÉCHTER AFTERNÉI HORDOM.
SA MÉI.R FLUCHTA.
NE FLUCHTER NAVT
SA IS ER AN THA WRÉKE {42} THÉR BITROGNA VRLÉTEN.
AND NIMMAN NE MÉI HELPA HIM.

6 Verübt er nachdem Hurerei,
so darf er fliehen;
flieht er nicht,
so wird er der Rache der Betrogenen überlassen
und niemand darf ihm helfen.

7. SAHWERSA AMMAN ENG GOD HETH
AND EN OTHER LIKTH THAT THERMÉTE
THAT I HIM THÉRAN VRFATE
SA MOTI THAT THRJA VRIELDA.

7 So wenn jemand einiges Gut hat
und einem anderen gefällt es dergestalt,
daß er sich daran vergreift,
so muß er das dreifach vergelten;

STÉLTH I JETA RÉIS
THAN MOT HI NÉI THA TIN.LANUM.
WIL THENE BISTÉLNE HIM FRY JÉVA
SA MÉI R THAT DVA.
THA BÉRTH ET WITHER
SA NE MÉI NIMMAN HIM FRYDOM JÉVA.

stiehlt er dann noch einmal,
so muß er nach den Zinnlanden (Britannien).
Will der Bestohlene ihn freigeben,
so mag er das tun.
Aber geschieht es wieder,
so darf niemand ihm Freiheit geben.

THISSA DOMAR SEND MAKAD 
FARA NYDIGA MANNISKA.

Diese Bestimmungen sind gemacht
für neidigliche Menschen


1. SA HWA IN HASTE MODE THA UT NID
AN NEN OTHERIS LÉJA BREKTH.
AGNA UT STAT JEFTHA THOTH.
HOK THAT ET SY.
SA MOT THI LÉTHA BITALLJA
HWAT THENE LÉDAR ASKTH

1 So wenn jemand in hastigem Mute oder aus Neid (Zorn)
eines anderen Glieder bricht,
ein Auge austsößt oder einen Zahn,
wie es sei,
so muß ein Leidiger zahlen,
was der Geleidigte heischt.

NE KAN HI THAT NI DVA.
SA MOTER AVBÉR AN IM DÉN WERTHA
SA HI AN THENE ORE DÉTH.
NIL HI THAT NAVT UT NE STONDA. 
SA MOTI HIM TO SINA BURCH FAM WENDA.
JEF I INNA ISER JEFTHA TIN LANA MÉI WERKA
TIL SIN SKELD AN SY NÉI THÉR MÉNE DOM.

Kann er das nicht tun,
so muß an ihm offenkundig getan werden,
was er dem anderen tat.
Will er das nicht ausstehen,
so soll er sich zu seiner Burgmaid wenden,
ob er in den Eisen- oder Zinnlanden arbeiten darf,
bis seine Schuld getilgt is nach der gemeinen Rechtssatzung.

2.JEF THER IMMAN FVNDEN WARTH ALSA ARG
THAT.I EN FRYA.S FELTH.
HI MOT ET MITH SINA LIF BITALJA.
KAN SINE BURCHFAM
HIN FAR ALTID NEI THA TIN.LANA HELPA
ÉR ER FAT WRDE
SI MÉI THAT DVA.

2 So wenn jemand so arg befunden wird,
daß er einen Fryas fällt,
so muß er es mit seinem Leib [oder Leben ~ Oth.] büßen.
Kann seine Burgmaid
ihm für allezeit nach den Zinnlanden helfen,
so darf sie es tun.

3. SA HWERSA THI BONA MÉI BIWISA
MITH VRKANDA TJUGUM
THAT ET BY VNLUK SKÉN IS.
SA SKIL HI FRY WÉSA.

3 So wenn der Mörder beweisen kann
mit erkannten Zeugnissen,
daß es durch Unglück geschehen ist,
so wird er frei sein;

MEN BÉRTHET JETA RÉIS
SA MOT I THACH NÉI THA TIN.LANUM.
TILTHJU MAN THÉRTHRVCH FORMITHA
ALL VNERIMDE WRÉKA AND FÉITHA. {43}

aber geschieht es noch einmal,
so muß er doch nach den Zinnlanden,
auf daß man dadurch vermeide
unehrenhafte Rache und Fehde.

THIS SEND DOMAR FARA HORNINGA.

Dies sind die Rechtssatzungen für Horningen (Hurenkinder)

1. HWA EN OTHERIS HVS.
UT NID. THENE RADA HON ANSTEKTH.
NIS NÉN FRYA.S.
HI IS EN HORNING MITH BASTERDE BLOD.
MÉI MAN HIN BI THÉR DÉD BIFARA.
SA MOT MAN HIN VPPET FJVR WERPA.

1 Wer auf das Haus eines anderen
aus Neid den roten Hahn setzt,
ist kein Fryas;
er ist ein Horning mit verbasertem Blute.
Kann man ihn auf frischer Tat ertappen,
so muß man ihn ins Feuer werfen.

HY MÉI FLIA SA R KAN
THACH NARNE SKIL SÉKUR WÉSA
FARA WRÉKANDE HAND.

Er darf fliehen, so er kann,
doch nirgends soll er sicher sein
vor der rächenden Hand.

2. NÉN AFTA FRYA.S
SKIL OVIR.A MISSLÉGA SINRA NÉSTE
MALJA NACH KALTA.
IS HWA MISDÉDOCH FAR IM SELVA
THA NAVT FRÉSELIK FAR EN ORA.
SA MÉI HI HIM SELVA RJUCHTA.

2 Kein rechter Fryas
soll über die Fehlschläge seines Nächsten
schwatzen noch reden.
Ist einer missetätig wider sich selber,
aber nicht gefährlich für einen anderen,
so mag er sich selbst richten.

WARTHI ALSA ARG
THAT ER FRÉSLIK WARTH
SA MOT MAN T ANDA GRÉVA BARA.
MEN IS THÉR HWA
THÉR EN OTHER AFTERBAKIS BJTIGHATH
IN STÉDE FON T TO DVANDE BY THA GRÉVA
THAM IS EN HORNING.

Wird er so arg,
daß er gefährlich wird,
so muß man es dem Grafen klagen.
Aber ist da einer,
der einen anderen hinterrücks zeihet,
anstatt es bei dem Grafen zu tun,
so ist er ein Horning.

VPPER MARK MOTI ANDA PÉLE BVNDEN WRDE
SA THAT ET JONG FOLK IM ANSPÉJA MÉI
AFTER LADATH MAN OVERA MARKA.
MEN NAVT NÉI THA TIN.LANA
THRVCH THAT EN ÉRE RAWER
AK THÉR IS TO FRÉSANE.

Auf dem Markt soll er an einen Pfahl gebunden werden,
so daß das junge Volk ihn anspeien kann.
Darauf leite man ihn über die Grenzen,
aber nicht nachden Zinnlanden,
dieweil ein Ehrenräuber
auch da zu fürchten ist.

3. SAHWERSA THÉR ÉNIS IMMAN WÉRE.
SA ARG THAT I VS GVNG VRRÉDE BY THA FYAND.
PADA AND TO PADA WÉS.
VMBE VSA FLIBURGA TO NAKA
JEFTHA THES NACHTIS THÉRIN TO GLUPA
THAM WÉRE ALLÉNA WROCHT UT FINDA.S BLOD.

3 So wenn da irgendeiner so arg wäre,
daß er dem Feinde verriete,
Pfade und Nebenpfade wiese,
um zu unseren Fluchtburgen zu gelangen,
oder sich zur Nacht hineinzuschleichen,
derselbe wäre gezeugt aus Findas Blut.

HIM SKOLDE MAN MOTA BARNA.
THA STJVRAR SKOLDON SIN MAM AND AL SINA SIBBA
NÉI EN FÉR É.LAND MOTA BRANGA {44}
AND THÉR SIN ASK FORSTUVA
TILTHJU.R HIR NÉN FENINIGE KRUDON FON WAXA NE MUGE.

Ihn würde man verbrennen müssen.
Die Seeleute sollten seine Mutter und seine Sippen
nach einer fernen Insel bringen
und daselbst seine Asche stäuben,
auf daß darauf keine gifigen Kräuter wachsen können.

THA FAMNA MOTON THAN SIN NAM UTSPÉJA INVR AL VSA STATA
TILTHJU NÉN BARN SIN NAM NE KRÉJE
AND THA ALDA HIN MUGE VRWERPA.

Die Maiden sollen seinen Namen verwünschen über alle Staaten,
auf daß kein Kind seinen Namen erhalte
und die Alten ihn verwerfen mögen.

28 November 2012

9f) Wirth p.30-32

Übersetzung Ura Linda Chronik 1933 

{027/12}
ÉWA FARA STJURAR.
STJURAR IS THI ÈRE NOMA THÉRA BUTTAFARAR.

Gesetze für Steurer
Steurer ist ein Ehrenname der Außenfahrer

(1.) ALLE FRYA.S SVNA HAVA LIKKA RJUCHTA.
THÉR VMB MUGON ALLE FLINKA KNAPA HJARA SELF
AS BUTTAFARER MELDA BY THA OLDERMON
AND THISSE NE MÉI HIM NIT OFWISA
WARA HAT THAT ER NÉN STEK IS.

1 Alle Fryassöhne haben gleiche Rechte,
darum mögen alle flinken Knaben sich selbst
als Außenfahrer melden bei dem Altmann,
und dieser darf sie nicht abweisen,
es wäre denn, daß keine Stelle da ist.

2. THA STJURAR MUGON HJARA AJN MASTRUN NOMA.

2 Die Steurer dürfen ihre eignen Meister ernennen.

3. THA KAPLJVD MOTON KÉREN AND BINOMATH WERTHA
THRVCH THA MÉNTE THÉR.ET GOD HÉRETH
AND THA STJURAR NE MUGON THÉR BY NÉN STEM HAVA.

3 Die Kaufleute müssen gekoren und benannt werden
durch die Gemeinde, der das Gut gehört,
und die Steurer dürfen dabei keine Stimme haben.

4. JEF MAN VPPE RÉIS BIFINTH
THAT THENE KÉNING ARG JEFTA VNBIKVMMEN IS.
SA MUGON HJA EN ORA NIMMA.
KVMON HJA TO BAK
SA MY THENE KÉNING HIM SELF BIKLAGJA BY THA OLDERMON.

4 Falls man auf einer Reise befindet,
daß der König arg oder unfähig ist,
so dürfen sie einen anderen nehmen.
Kommen sie wieder zurück,
so mag der König sich bei dem Altmann beklagen.

5. KVMTH THÉR FLATE TO HONK AND SIN THÉR BATA.
SA MOTON THA STJURAR THÉR.OF EN {28} THRIMENE HAVA.
ALTHUS TO DÉLANDE.

5 Kommt die Flotte wieder heim und sind Gewinne da,
so müssen die Steurer davon einen dritten Teil haben,
folgendermaßen zu teilen:

THI WIT KÉNING TWILF MONIS DÉLA.
THI SKOLT BY NACHT SJUGUN DÉLA.
THA BOT.MONNA EK TWA DÉLA.
THI SKIPRUN EK THRÉ DÉLA.
THAT ORA SKIP.IS.FOLK EK ÉN DÉL.
THA JONGSTE PRENTAR EK EN THRIMNATH.
THA MIDLOSTA EK EN HALV.DÉL
AND THA OLDESTA EK EN TWÉDNATH.

der Weißkönig zwölf Mannesteile,
der Schult-bei-Nacht sieben Teile,
die Bootsmänner jeder zwei Teile,
die Schiffer jeder drei Teile,
das andere Schiffvolk einen Teil;
die jüngsten Schiffjungen jeder ein Drittel,
die mittleren jeder einen Halbteil
und die Ältesen jeder einen Zweidrittelteil.

6. SIN THÉR SVME VRLAMETH.
SA MOTA MÉNA MÉNTA NJVDA FAR HJARA LIF.
AK MOTON HJA FORANA SITTA BY THA MÉNA FÉRSTA.
BY HUSLIKA FÉRSTA
JA. BY ALLE FÉRSTA.

6 Sind welche da gelähmt worden,
dann muß die gemeine Gemeinde sorgen für ihren Leib;
auch müssen sie vorne sitzen bei den allgemeinen Festen,
bei häuslichen Festen,
ja bei allen Festen.

7. SIN THÉR VPPA TOCHT VMKUME
SA MOTON HJARA NÉSTUN. HJARA DÉL ERVA.

7 Sind sie auf einem Zuge umgekommen,
so müssen ihre Nächsten ihren Teil erben.

8. SIN THÉR WÉDVEN AND WÉSON FON KVMEN
SA MOT THJU MÉNTE HJA VNDERHALDA.
SIN HJA AN ÉNRE KASE FELTH
SA MUGON THA SVNA
THI NOMA HJARAR TATA
VPRIRA SKILDUN FORA.

8 Sind davon Wittwen und Waisen gekommen,
so muß die Gemeinde sie unterhalten;
sind sie in einem Kampfe gefallen,
so dürfen die Söhne
den Namen ihrer Väter
auf ihren Schilden führen.

9. SIN THÉR PRENTARA FOR.FAREN
SA MOTON SINA ERVA EN ÉL MANNIS DÉL HAVA.

9 Ist ein Jungsteurer dahingefahren,
so müssen seine Erben einen ganzen Mannesteil haben.

10. WAS HI FOR.SÉITH
SA MÉI SIN BRUD SJVGUN MANNIS DÉLUN ASKA
VMBE HIRA FRYA.DULF EN STÉN TO TO WJANDE
MAR THAN MOT HJA FORTH ÉREWÉDVE BILYVA HJRA LÉVA LONG. {29}

10 War er versprochen,
so darf seine Braut sieben Mannesteile heischen,
um ihrem Friedel einen Stein zu weihen,
aber dann muß sie für diese Ehre Witwe bleiben lebenslang.

11. SAHWERSA EN MÉNTE EN FLATE TO RÉTH.
MOTON THA RÉDAR NJVDA FARA BESTE LIF.TOCHTUN
AND FAR WIF AND BARN.

11 So wenn eine Gemeinde eine Flotte ausrüstet,
müssen die Reeder sorgen für beste Leibzehrung
und für die Weiber und Kinder.

12. JEF EN STJURAR OF AND ARM IS.
AND HI HETH HUS NACH ERV
SA MOT IM THAT JON WERTHA.
NIL HY NÉN HUS NACH ERV.
SA MUGON SIN FRIANDUN HIM TUS NÉMA
AND THJU MÉNTE MOT ET BÉTERA NÉI SINA STAT.
WARA THAT SIN FRIANDA THENE BATA WÉIGERJA.

12 Wenn ein Steurer abgelebt und arm ist,
und er hat weder Haus noch Hof,
so muß ihm das gegeben werden.
Will er kein Haus und Hof,
so dürfen seine Freunde ihn ins Haus nehmen,
und die Gemeinde muß das bessern nach seinem Staat,
es wäre denn, daß seine Freunde diesen Vorteil weigern.

9d-2) Wirth p.30

Übersetzung Ura Linda Chronik 1933

{026/21}
UT MINNO.S SKRIFTUN.

Aus Minnos Schriften

SA HWERSA THÉR ÉNMAN IS. THÉR.MÉTA ARG
THAT HI VSA SWETSAR BIRAWATH. MORTH.DEDUN DVAT.
HUSA BARNTH. MAN.GÉRTHA SKANTH
HOK THAT.ET SY. THAT ARG SY.
AND VSA SWETNATA WILLON THAT WROKEN HAVA.

So wenn da ein Mann ist, dermaßen arg,
daß er unsere Nachbarn beraubt, Mordtaten tut,
Häuser brennt, Jungfrauen schändet,
was es auch sei, das arg ist,
und unsere Blutsgenossen wollen das gerächt haben,

SA IS THAT RJUCHT
THAT MAN THENE DÉDER FATA AND AN HJARA AJNWARDA DÉJA.
TILTHJU THÉR VR NÉN ORLOCH NE KVME
WÉRTHRVCH THA VNSKÉLDIGA SKOLDE BOTA FORI THA SKÉLDIGA.

so ist es recht,
daß man den Täter fasse und in ihrer Gegenwart töte,
auf daß darüber kein Krieg komme,
wodurch Unschuldige büßen würden für den Schuldigen.

WILLATH HJA HIM SIN LIF BIHALDA LÉTA
AND THJU WRÉKA OFKAPIA LÉTA.
SA MÉI {27} MAN THAT DAJA.

Wollen sie ihn den Leib behalten
und die Rache abkaufen lassen,
so mag man das gewähren.

THACH. IS THEN BONA EN KÉNING. GRÉVET.MAN. GRÉVA
HWA THAT.ET SY THAM OVIR.A SÉDA MOT WAKA.
SA MOTON WI THAT KWAD BÉTERJA.
MEN THANE BONA MOT SIN STRAF HA.

Doch ist der Mörder ein König, Grevetmann, Graf
oder was es sei, derüber die Sitten wachen soll,
so müssen wir das Übel bessern,
aber er muß seine Strafe haben.

FORTH HI EN ÉRE.NAMA VPPA SINE SKELD FON SINA ÉTHELUN.
SA NE MUGON SINA SIBBA THI NAMA NAVT LONGER NE FORA.
THÉRVMBE THAT THI ÉNE SIBBA SVRG SKIL HAVA
OVIRA SÉDE THÉRA OTHERA.

Führt er einen Ehrennamen auf seinem Schilde von seinen Ahnen,
so dürfen seine Sippen diesen Namen nicht länger führen,
darum daß die eine Sippe Sorge haben soll
über die Gesittung der anderen.

26 November 2012

9g) Wirth p.25-29

Übersetzung Ura Linda Chronik 1933 

{021/15}
IN ÉRA TIDA HÉMADON FINDA.S FOLK
MÉST ALGADUR INVR HJARA MODER.S BARTA.LAND.
MIT NOMA ALD.LAND THAT NW VNDER.NE SÉ LÉITH.

In früheren Zeiten hauste Findas Volk
meist allesamt in seiner Mutter Geburtsland,
mit Namen Aldland, das nun unter See liegt.

HJA WÉRON THUS FÉR.OF.
THÉRVMBE NÉDON WI AK NÉN ORLOCH.
THA HJA VRDRÉVEN SEND
AND HÉINDA KÉMON TO RAWANE.
THA KÉM.ER FON SELVA
LAND.WÉR HÉR.MANNA KÉNINGGAR AND ORLOCH.

Sie waren also weitab.
Darum hatten wir auch keinen Krieg.
Als sie vertrieben worden sind
und hierher kamen, um zu rauben,
da kam von selber
Landwehr, Heermänner, Könige und Kriege,

VR ALTHAM KÉMON SETMA
AND UT.A SETMA KÉMON ÉWA.
HIR FOLGATH THA ÉWA THÉR THÉR.UT TAVLIKT SEND.

und aus denen kamen Satzungen
und aus den Satzunge nkamen Gesetze.
Hier folgen die Gesetze, welche daraus geworden sind:

1. EK FRYA.S MOT.A LÉTHA JEFTHA FIANDA WÉRA.
MITH ALDULKERA WAPNE
AS.ER FOR SINNA BIKVMA AND HANDTÉRA MÉI.

1 Jeder Fryas (Friese) muß Beleidigern oder Feinden wehren
mit solchen Waffen,
als er zu ersinnen, bekommen und führen vermag.

2. IS EN BOJ TWILIF JÉR.
SA MOT.I THA SJVGUNDE DÉI MISTE FON SIN LÉR.TID
VMBE RÉD TO WERTHANDE MITH.A WAPNE. {22}

2 Ist ein Bube zwölf Jahre,
so muß er den siebenten Tag seiner Lehrzeit missen,
um der Waffen kundig zu werden.

3. IS HI BIKVMEN
SA JÉVE MAN HIM WAPNE
AND HI WARTH TO WÉRAR SLAGEN.

3 Ist er dessen kundig geworden,
so gebe man ihm Waffen,
und er wird zum Wehrer geschlagen.

4. IS HI THRÉ JÉR WÉRAR
SA WARTH.I BURCH.HÉR
AND MÉI HI HÉLPA
SIN HAWED.MANNA TO KJASANE.

4 Ist er drei Jahre Wehrer,
so wird er Burgherr,
und er darf helfen,
seinen Hauptmann zu kiesen.

5. IS HWA SJVGUN JÉR KJASAR
SA MÉI HI HÉLPA
EN HÉR.MAN JEFTHA KÉNING TO KJASANE.
THÉR TO AK KÉREN WRDE.

5 Ist er sieben Jahre Kürer,
so darf er helfen,
einen Heermann oder König zu kiesen,
dazu auch gekoren werden.

6. ALLE THRÉ JÉR MOT ER OVIR KÉREN WERTHA.

6 Alle [drei!] Jahre muß er wieder gekoren werden.

7. BUTA THA KÉNING MUGON ALLE AMBTMANNA WITHER.KÉREN WERTHA
THAM RJUCHT DVA AND NÉI FRYA.S RÉD.

7 Außer dem König dürfen alle Amtmänner wieder gekoren werden,
die recht tun und nach Fryas Rat.

8. ANNEN KÉNING NE MÉI NAVT NI LONGER AS THRÉ JÉR KÉNING BILIWA.
TILTHJU HI NAVT BIKLIWA NE MÉI
VSA FRYDOM TO SKADANE.

8 Kein König darf länger als drei Jahre König bleiben,
auf daß er nicht bekleiben möge.
[...]

9. HETH.I SJVGUN JÉR REST
SA MÉI HI WITHER KÉREN WERTHA.

9 Hat er sieben Jahre geruht,
so darf er wieder gekoren werden.

10. IS THI KÉNING THRUCH THENE FYAND FALLEN
SA MUGON SINA SIBBA AK NÉI THÉRE ÉRE THINGA.

10 Ist der König durch den Feind gefallen,
so dürfen seine Sippen nach dieser Ehre dingen.

11. IS.ER VPPA SIN TID OFGVNGEN JEFTHA BINNA SIN TID STURVEN
SA NE MÉI NÉN SIBBA HIM VPFOLGJA
THÉR.IM NÉIAR SY SA THA FJARDE KNY.

11 Is er zu seiner Zeit abgegangen oder binnen seiner Zeit gestorben,
so darf keine Sippe ihm nachfolgen,
die ihm näher ist als das vierte Knie.

12. THÉRA THAM STRIDA MITHA WAPNE AN HJARA {23} HANDA
NE KUNNATH NAVT FORSINNA AND WIS BILIWA.
THÉRVMBE NE FOCHTETH NÉNE KÉNING
WAPNE TO HANTERA AN THA STRID.
SIN WISDOM MOT SIN WAPEN WÉSA
AND THJU LJAFTE SINRA KAMPONA MOT SIN SKILD WÉSA.

12 Die, welche streiten mit Waffen in ihren Händen,
können nichts ersinnen und weise verbleiben:
darum fügt es sich,
daß kein König Waffen führt in dem Streit.
Seine Weisheit muß seine Waffe
und die Liebe seiner Kämpen muß sein Schild sein.

~ ~ ~
HYR SEND THA RJUCHTA THÉRE MODER AND THÉRA KÉNINGGAR.

Hier sind die Rechte der Mütter und der Könige

1. SAHWERSA ORLOCH KVMTH.
SEND THA MODER HJRA BODON NÉI THA KÉNING.
THI KÉNING SEND BODON NÉI THA GRÉVET.MANNA VMBE LANDWÉR.

1 So wenn Krieg kommt,
sendet die Mutter ihre Boten zu dem König,
der König sendet Boten zu den Grevetmännern um Landwehr.

2. THA GRÉVETMANNA HROPATH ALLE BURCH.HÉRA ET SÉMNE
AND BIRÉDATH HO FÉLO MANNA HJA SKILUN STJURA.

2 Die Grevetmänner rufen alle Burgherren zusammen
und beraten, wieviele Männer sie sollen beisteuern.

3. ALLE BISLUTA THÉRA MOTON RING
NÉI THÉRE MODER SENDEN WERTHA
MITH BODON AND TJUGUM.

3 Alle Beschlüsse derselben müssen sofort
zu der Mutter gesandt werden
mit Boten und Zeugen.

4. THJU MODER LÉTH ALLE BISLUTA GADERJA
AND JÉFH.ET GULDNETAL.
THAT IS THAT MIDDELTAL FON ALLE BISLUTA ETSÉMNE.
HÉRMITHA MOT MAN FAR THAT FORMA FRÉTO HA
AND THENE KÉNING ALSA.

4 Die Mutter läßt alle Beschlüsse sammeln
und gibt die Gültezahl,
das ist die Mittelzahl aller Beschlüsse zusammen.
Hiermit muß man fürs erste Frieden haben
und der König desgleichen.

5. IS THJU WÉRA A KAMP.
THAN HOFT THI KÉNING ALLÉNA MITH SINUM HAVEDMANNA TO RÉDA.
THACH THÉR MOTON AMMERTHE THRÉ BURCH-HÉRA FON THERE MODER
FOR.ANA {24} SITTA SVNDER STEM.

5 Steht die Wehr im Kampfe,
dann braucht der König alleinig mit seinen Hauptmännern zu beraten,
doch da müssen immerhin drei Burgherren der Mutter
vorsitzen sonder Stimme.

THISSA BURCH.HÉRA MOTON DÉJALIKIS BODON NÉI THÉRE MODER SENDA
TILTHJU HJU WÉTA MUGE
JEF THÉR AWET DÉN WARTH.
STRIDANDE WITH.A ÉWA JEFTHA WITH FRYA.S RÉDJEVINGA.

Die Burgherren müssen täglich Boten zu der Mutter senden,
auf daß sie wissen möge,
ob da etwas getan wird,
widerstreitend den Gesetzen oder Fryas Ratgebung.

6. WIL THI KÉNING DVA AND SINA RÉDA NAVT.
SA NE MÉI HI THAT NAVT VNDERSTONDA.

6 Will der König etwas tun und seine Räte nicht,
so darf er sich dessen nicht unterstehen.

7. KVM THENE FYAND VNWARLINGA
THAN MOT MAN DVA
SA THENE KÉNING BITH.

7 Kommt der Feind unwehrlich (Unwiderstehlich),
so muß man tun,
so wie der König gebietet.

8. NIS THENE KÉNING NAVT VPPET PAT.
SA MOT MAN SIN FOLGAR HÉRICH WÉSA
OF THAMIS FOLGAR ALONT THA LESTA.

8 Ist der König nicht auf dem Pfad,
so muß man seinem Folger gehorsam sein
oder dem, der diesem folgt, also weiter bis zum letzten.

9. NIS THÉR NÉN HAVED.MAN
SA KIASE MAN HWA.

9 Ist kein Hauptmann da,
so kiese man einen.

10. NIS THÉR NÉN TID.
SA WARPA HI HIM TO HAVEDMAN  
THÉR.IM WELDICH FÉLETH.

10 Ist dazu keine Zeit,
so werfe er sich zum Hauptmann auf,
der sich dessen mächtig fühlt.

11. HETH THENE KÉNING EN FRÉSALIK FOLK OFSLAGEN
SA MUGON SINA AFTER.KVMANDE SIN NAMA AFTER HJARA AJNE FORA.
WIL THENE KÉNING SA MÉJ ER VPPEN VNBIBVWADE STÉD
EN PLAK UTKJASA TO HUS AND ERV.

11 Hat der König ein gefährdliches Volk abgeschlagen,
so mögen seine Nachfahren seinen Namen hinter dem ihrigen führen.
Will der König, so mag er auf einer unbebauten Stätte
eine Stelle auswählen zu einem Haus und Werf.

THAT ERV MÉI EN ROND.DÉL WÉSA
SA GRAT THAT HI FON ALLE SIDUM
SJVGUN HVNDRED TRÉDUN UT OF SINE HUS MÉI HLAPA
ÉR HI AN SINA RÉNA KVMTH.

Der Hof mag ein Rundteil sein,
so groß, daß er nach allen Seiten
siebenhundert Tritte von seinem Haus aus laufen mag,
ehe er an seinen Rain kommt.

12. {25} SIN JONGSTE SVN MÉI THAT GOD ERVA.
AFTE THAM THAMIS JONGSE
THAN SKIL MAN THAT WITHER NIMMA.

12 Sein jüngster Sohn darf das Gut erben,
nach ihm dessen jüngster;
dann soll man es wieder nehmen.

~ ~ ~
HIR SEND THA RIUCHTA ALLER FRYAS
VMBE SÉKUR TO WÉSANDE.

Hier sind die Rechte aller Friesen,
um sicher zu sein

1. SAHWERSA THÉR ÉWA VRWROCHT WRDE.
JEFTHA NÉJA SETMA TAVLIKT.
ALSA MOT.ET TO MÉNA NITHA SKÉN.
MEN NAMMER TO BATA FON ENKELDERA MANNISKA.
HER FON ENKELDERA SLACHTA
NER FON ENKELDERA STATA
NACH FON AWET THAT ENKEL SY.

1 So wenn Gesetze gemacht werden
oder neue Satzungen zusammengestellt,
muß es zu gemeinem Nutzen geschehen,
aber nimmer zum Vorteil einzelner Geschlechter,
noch einzelner Staaten,
noch von etwas, das einzel sei.

2. SAHWERSA ORLOCH KVMTH
AND THÉR WRDE HUSA HOMLJAT JEFTHA SKÉPA
HOK THAT ET SY
SY.ET THRVCH THENE FYAND THA BY MÉNA RÉDUM.
SA ACH THA MÉNA MÉNTA
THAT IS AL.ET FOLK TO SÉMNE
THAT WITHER TO HÉLÉNA.
THÉR VMBE THAT NAMMAN THA MÉNA SÉKA SKIL HELPA VRLJASA
VMBE SIN AJN GOD TO BIHALDANE.

2 So wenn Krieg kommt
und es werden Häuser zerstört oder Schiffe,
wie es auch sei,
sei es durch einen Feind oder bei gemeinem Rate,
so hat die gemeine Gemeinde,
das is all das Volk zusammen,
das wieder zu heilen:
darum, daß niemand die gemeine Sache werde verlieren helfen,
um sein eigenes Gut zu behalten.

3. IS ORLOCH VRTHÉJAN AND SEND THÉR SVM ALSA VRDÉREN
THAT HJA NAVT LONGER WARKA NE MUGON
SA MOT THA MÉNA MÉNTE HJAM VNDERHALDA.
BY THA FÉSTUM ACHON HJA FORANA TO SITTANA.
TILTHJU THA JUGED SKIL ÉRA HJAM.

3 Ist Krieg vorübergegangen und sind da welche so verstümmelt,
daß sie nicht länger arbeiten können,
so muß die gemeine Gemeinde sie unterhalten;
bei den Festen gehören sie vorne zu sitzen,
auf daß die Jugend sie ehren soll.

4. SEND THÉR WÉDVON AND WÉSON KÉMON {26}
SA MOT MAN HJA AK VNDERHALDA
AND THA SVNA MUGON THI NAMA HJARAR TATA VPPIRA SKILDUM WRITA
HJARA SLACHTA TO ERANE.

4 Sind da Witwen und Waisen gekommen,
so muß man sie auch unterhalten,
und die Söhne dürfen die Namen ihrer Väter auf ihren Schilden schreiben,
ihrem Geschlechte zu Ehren.

5. SEND THÉR SVM THRVCH THENE FYAND FAT
AND KVMATH HJA TO BAK
SA MOT MAN HJAM FÉR FON THAT KAMP OF FORA.
HWAND HJA MACHTON FRY LÉTEN WÉSA BY ARGE LOFTUM
AND THAN NE MUGON HJA HJARA LOFTA NAVT NI HALDA
AND TACH ÉRLIK BILIWA.

5 Sind da welche vom Feinde gefaßt
und kommen sie zurück,
so muß man sie ferne von dem Kampfplatz abführen,
denn sie möchten freigelassen sein unter argen Gelübden,
und dann mögen sie ihre Gelübde nicht halten
und doch ehrlich bleiben.

6. JEF WI SELWA FYANDA FATA.
SA BRANGE MON THAM DJAP ANDA LANDA WÉI.
MAN LÉRTH HJA VSA FRYA SÉDE.

6 Falls wir selber Feinde fassen,
so führe man sie tief in das Land fort:
man lehre sie unsere freien Sitten.

7. LÉTH MAN HJA AFTERNÉI HLAPA.
SA LÉTH MAN THAT MITH WELHÉD THRVCH THA FAMNA DVA
TILTHJU WI ATHA AND FRJUNDA WINNA
FORI LÉTHA AND FYANDUN.

7 Läßt man sie nachher laufen,
so läßt man das mit Güte durch die Maiden tun,
auf daß wir Genossen und Freunde gewinnen
statt Hasser und Feinde.

9e) Wirth p.20-25

Übersetzung Ura Linda Chronik 1933 

{15} THAT SEND THA ÉWA THÉR TO THÉRA BURGUM HÉRA.

Dies sind die Gesetze, die zu den Burgen gehören

1. SAHWERSA THÉR ARNE ÉNE BURCH BVWET IS.
SA MOT THJU FODDIK THÉRA ANTHA FORMA FODDIK ET TEX.LAND VPSTÉKEN WRDA.
THACH THAT NE MÉI NAMMER OWERS AS THRVCH THA MODER SKÉN.

1 So wenn irgendeine Burg gebauet ist,
soll die Lampe an der ersten Lampe auf Texland angezündet werden.
Doch dies darf nimmer anders als durch die Mutter geschehen.

2. EK MODER SKIL HJRA AJN FAMNA KJASA.
ALSA THÉRA THÉR VPPA THÉRA OTHERA BURGUM AS MODER SEND.

2 Jede Mutter darf ihre eigenen Maiden kiesen:
ebenso diejenigen, die auf den anderen Burgen als Mutter sind.

3. THJU MODER TO TEX.LAND MÉI HJRA FOLGSTER KJASA
THACH SAHWERSA HJU FALTH ÉR HJU.T DÉN HETH
SA MOT THAS KÉREN HWERTHA VPPA ÉNE MÉNA ACHT.
BY RÉDUM FON ALLE STATA ET SÉMNE.

3 Die Mutter auf Texland mag ihre Nachfolgerin kiesen,
doch wenn sie stirbt, ehe sie es getan,
so muß dieselbe gekoren werden auf einer gemeinen Acht (Volks- oder Gerichtsversammlung),
bei Rat von allen Staaten zusammen.

4. THJU MODER TO TEX.LAND
MÉI ÉN AND TVINTICH FAMNA AND SJVGUN SPILLE MANGÉRTA HAVA.
TILTHJU THÉR AMMER SJVGUN BY THÉRE FODDIK MUGE WAKJA
DÉILIKES AND THES NACHTES.
BY THA FAMNA THÉR VPPA ORA BURGUM AS MODER THJANJA ALSA FÉLO.

4 Die Mutter auf Texland
mag einundzwanzig Maiden und sieben Spindelmädchen haben,
auf daß da immer sieben bei der Lampe mögen wachen,
am Tage und in der Nacht;
bei den Maiden, die auf den anderen Burgen als Mutter dienen, ebenso viele.

5. SAHWERSA EN FAM ANNEN GADA WIL.
SA MOT HJU.T THÉRE MODER MELDA.
AND BISTONDA TO THA MANNISKA KÉRA.
ÉR HJU MITH HIRA TOCHTIGE ADAMA THAT LJUCHT BIWLATH.

5 So wenn eine Maid sich mit einem gatten will,
soll sie es der Mutter melden
und sehenden Fußes zu den Menschen wiederkehren,
ehe sie mit ihrem zugigen Atem das Licht verunreinigt.

6. THJU MODER AND ALREK BURCH.FAM. SKIL MAN TOFOGJANDE
ÉN AND TVINTICH BURCH.HÉRAN SJVGUN ALDA WISA.
SJVGUN ALDA KAMPAR AND SJVGUN ALDA SÉ.KAMPAR. {16}

6 Der Mutter und einer jeglichen Burgmaid soll man beigeben
einundzwanzig Burgherren, sieben alte Weisen,
sieben alte Heerkämpen und sieben alte Seekämpen.


7. THER FON SKILUN ALLE JÉRON TO HONK KÉRA
THRIM FON ELIK SJVGUN.
THACH HJA NE MUGON NAVT VPFOLGATH NE WERTHA
THRVCH HJARA SIBTAL. NÉJAR SA THA FJARDA KNI.

7 Davon sollen alle Jahre heimkehren
dreie von jedweden Sieben,
doch es darf ihnen niemand nachfolgen,
der ihrer Sippschaft näher ist als das vierte Knie.

8. AIDER MÉI THRÉ.HVNDRED IONGA BURCHWÉRAR HAVA.

8 Jedwede Burg darf dreihundert junge Burgwehrer haben.

9. FAR THISSA THJANESTA SKILUN HJA LÉRA FRYA.S TEX AND THA ÉWA.
FON THA WISA MANNON THENE WISDOM.
FON THA ALDA HÉR.MANON THENE KUNST FON THA ORLOCH
AND FON THA SÉ.KENINGGAR THENE KUNSTA
THÉR BI THAT BUTE.FARA NÉTHLIK SEND

9 Für diese Dienste sollen sie Fryas Rat und die anderen Gesetze lernen,
von den weisen Männern die Weisheit,
von den alten Heermännern die Kunst des Krieges
und von den alten Seekönigen die Fertigkeiten,
welche für die Außenfahrt nötig sind.

10. FON THISSA WÉRAR SKILUN JÉRLIKES HVNDRED TO BEK KÉRA.
THACH SEND THÉR SVME VRLAMTH WRDEN.
SA MUGON HJA VPPER BURCH BILIWA HJARA ÉLLE LÉVA LONG.

10 Von diesen Wehrern sollen jährlich hundert zurückkehren:
doch sind da welche gelähmt worden,
so mögen sie auf der Burg verbleiben ihr ganzes Leben lang.

11. BY THAT KJASA FON THA WÉRAR
NE MÉI NIMMEN FON THÉRA BURCH NÉN STEM NAVT NE HAVA.
NI THA GRÉVETMANNA JEFTA OTHERA HAVEDA.
MAN THAT BLATA FOLK ALLÉNA.

11 Bei der Küre der Wehrer
darf niemand derer von der Burg eine Stimme haben,
noch die Grevetmänner, noch andere Häuptlinge,
sondern bloß das Volk allein.

12. THJU MODER ET TEX.LAND SKIL MAN JÉVA.
THRJA SJVGUN FLINKA BODON
MITH THRIA TWILLIF RAPPA HORSA.
VPPA ORA BURGUM EK BURCH.FAM
THRÉ BODON MITH SJVGUN HORSA.

12 Der Mutter auf Texland soll man geben
dreimal sieben flinke Boten
mit dreimal zwölf schnellen Rossen;
auf den anderen Burgen jeder Burgmaid
drei Boten mit sieben Rossen.

13. AK SKIL AJDER BURCH HAVA FIFTICH BVWARA
THRVCH THAT FOLK AKÉREN.
MEN THÉRTO MÉI MAN ALLÉNA JÉVA.
SOKKA THÉR NAVT ABEL AND STORA FAR WÉRA
NER TO BUTAFARAR SEND. {17}

13 Auch soll jede Burgmaid haben fünfzig Ackerbauer
durch das Volk gekoren;
aber dazu darf man allein solche suchen,
die nicht fähig und stark für die Wehr
noch für die Außenfahrt sind.

14. AJDER BURCH MOT HIRI SELVA BIDRUPPA
AND GENÉRA FON HIRA AJN ROND.DÉL
AND FON THAT DÉL THAT HJU FON THAT MARK.JELD BURTH.

14 Eine jegliche Burg muß sich aushelfen
und ernähren von ihrem eigenen Rundteil
und von dem Teil, das sie von dem Marktgelde erhebt.

15. IS THÉR AMMAN KÉREN VMBE VPPA BURGUM TO THJANJANDE
AND NIL.ER NAVT
THAN NE MÉI.R NA NÉN BURCH.HÉR WERTHA
AND DUS NÉN STEM NAVT NI HAVA.
IS.ER AL BURCH.HÉR SA SKIL HI THJU ÉR VRLJASA.

15 Ist da ein jemand gekoren um auf den Burgen zu dienen,
und er will nicht,
dann darf er nachher kein Burgherr werden
und also nie eine Stimme haben.
Is er bereits Burgherr, so wird er die Ehre verlieren.

16. SAHWERSA AMMAN RÉD GÉRT
FON THÉRE MODER THA FON ÉNE BURCHFAM.
SA MOT HI HIM SELVA MELDE BY THA SKRIWER.
THESSE BRANGTH.IM BY THA BURCH.MASTER.

16 So wenn jemand Rat begehrt
von der Mutter oder von einer Burgmaid,
soll er sich melden bei dem Schreiber.
Dieser bringt ihn zum Burgmeister, 

FORTH MOT.I NÉI THA LÉTSA. THAT IS THÉNE HÉLENER.
THÉR MOT SJA JEF ER AK BISÉTEN IS FON KVADA TOCHTUM.
IS.ER GOD SÉID THA VNDVATH HI HIM SELVA FON SINUM WÉPNA.
AND SJVGUN WÉRAR BRANGGATH HIM BY THÉRE MODER.

fürder zum Leetse, das is der Heiler (Arzt):
der soll sehen, ob er auch heimgesucht is von argen Seuchen.
Is er gesund gesagt, dann entledigt er sich seiner Waffen
und sieben Wehrer bringen ihn zur Mutter.

17. IS THJU SÉK VR ÉNE STATE
SA NE MUGON THÉR NAVT MINER THAN THRÉ BODON KVMA.
IS.T VR.T ÉLLA FRYA S LAND
THAN MOTON THÉR JETA THRJA SJVGUN TJUGA BY WÉSA.
THÉRUMBE THAT.ER NÉN KVA FORMVDA NAVT RISA NE MÉI
NOR SKALKHÉD DÉN NE WRDE.

17 Ist es eine Sache über eine State,
so dürfen nicht minder als drei Boten kommen;
ist es über ganz Fryasland,
so müßten da noch dreimal sieben Zeugen bei sein,
darum daß kein übles Vermuten sich erhebe
noch Schalkheit getan werde.

18. BY ALLE SÉKUM MOT THA MODER WALDA AND NJVDA
THAT HJRA BARN. THAT IS FRYAS FOLK.
SA MÉT.RIK BILIWA AS THAT WÉSA MÉI.
THAT IS THI GRATESTA HJRAR PLICHTA.
~ AND VS ALRA. VMBER THÉR AN TO HÉLPANDE. {18}

18 Bei allen Sachen muß die Mutter obwalten und acht haben,
daß ihre Kinder, das ist Fryas Volk,
so maßvoll bleiben wie nur möglich ist.
Das ist die größte ihrer Pflichten,
und unser aller Pflicht ist es, ihr dabei zu helfen.

19. HAT MAN HJA BY ÉNNE RJUCHTLIKA SÉKE ANHROPEN
VMBER UTSPRÉK TWISK ANNEN GRÉVET.MAN AND THA MÉNTE.
AND FINDATH HJU THJU SÉKE TVIVELIK
SA MOT HJU TO BATA FON THÉR MÉNTE SPRÉKA
TILTHJU THÉR FRÉTHO KVMA.
AND THRVCHTHAM THAT BÉTRE SY.
THAT ÉN MAN VNRJUCHT DÉN WRDE THAN FÉLO.

19 Hat man sie bei einer rechtlichen Sache angerufen,
um einen Schiedsspruch zu tun zwischen einem Grevetmann und der Gemeinde,
und findet sie die Sache zweifelhaft,
so soll sie zum Besten der Gemeinde sprechen,
auf daß da Friede komme,
und dieweil es besser ist,
daß einem Manne Unrecht getan werde als vielen.

20. KVMTH HWA VMB RÉD AND WÉT THJU MODER RÉD
SA ACH HJU THAM BY STONDA TO JÉWANE.
NÉT HJU BY STONDA NÉN RÉD
SA MÉI HJU WACHTJA LÉTA SJVGUN DÉGUM.
NÉT HJU THAN NACH NÉN RÉD.
SA MUGON HJA HINNE BRUDA.
AND HJA NE MUGON HJRA SELVA NAVT BIKLAGJA.
TIL HJU NÉN RÉD BÉTRE IS THAN KVA RÉD.

20 Kommt einer um Rat und weiß die Mutter Rat,
so hat sie den sogleich zu geben;
weiß sie sogleich keinen Rat,
so mag sie warten sieben Tage.
[...]

21. HETH EN MODER ARGE RÉD JÉVEN UT KVADA WILLA
SA MOT MAN HJA DÉJA JEFTA UT OF LANDUM DRIVA
STOKNAKEN AND BLAT.

21 Hat eine Mutter argen Rat gegeben aus üblem Willen,
so soll man sie töten oder aus dem Lande treiben
splitternact und bloß.

22. SEND HJRA BURCH.HÉRA MÉDEPLICHTICH
THAN DVATH MAN ALSA MITH THAM.

22 Sind die Burgherren mitpflichtig,
dann tue man desgleichen mit ihnen.

23. IS HJRA SKILD TVIVELIK JEFTA BLAT FORMODA.
SA MOT MAN THÉR.VR THINGJA AND SPRÉKA.
IS.T NÉDICH ÉN AND TWINTICH WYKA LONG.
STEMTH THA HALFDÉL SKILDICH
SA HALDE MAN HJA VR VNSKILDICH.
TWÉDE SA WACHT MAN JETA EN FVL JÉR.
STEMTH MAN THAN ALSA.
SA MÉI MAN HJA SKILDICH HALDA.
THA NAVT NI DÉJA. {19}

23 Ist ihre Schuld zweifelhaft oder bloßes Vermuten,
so muß man hierüberdingen und sprechen,
ist es nötig, einundzwanzig Wochen lang.
Stimmt der Halbteil schuldig,
so halte man sie für unschuldig;
zwei Drittel, so warte man noch ein volles Jahr.
Stimmt man dann noch dermaßen,
so möge man sie für schuldig halten,
doch nicht töten.

24. SAHWERSA THÉR SVME AMONG THAT THRIMNA SEND
THAM HJA ALSA SÉR VNSKILDICH MÉNE
THAT HJA HJA FOLGJA WILLE
SA MUGON HJA THAT DVA
MITH AL HJARA DRIWANDE AND TILBARA HAVA.
AND NAMMAN ACHT HJAM THÉR.OVIR MIN TO ACHTJANE.
TILTHJU THAT MARA.DÉL ALSA BLID KAN DWALA SA HAT MINRA.DÉL.

24 So wenn da welche unter dem Drittel sind,
die sie also sehr unschuldig wähnen,
daß sie ihr folgen wollen,
so mögen sie das tun
mit all ihrer treibenden und fahrenden Habe,
und niemand hat sie darum gering zu achten,
dieweil das Mehrteil ebensogut irren kann wie das Minderteil.

MÉNA ÉWA.

Gemeine Gesetze

1. ALLE FRYA BARN SEND A É.LIKA WISA BARN.
THÉRVMBE MOTON HJA AK É.LIKA RJUCHTE HAVA
ALSA BLID VPPAT LAND AS VPPAT É. THAT IS WÉTER
AND VP ELLA THAT WR.ALDA JEFTH.

1 Alle frei Geborenen sind auf gleiche Weise geboren.
Darum müssen sie auch gleiche Rechte haben,
ebensogut auf dem Lande als auf dem Ee, das ist Wasser,
und auf allem, was Wralda gibt.

2. ALLERA MANNALIK MÉI.T WIF SINRA KÉSA FRÉJA
AND EK TOGHATER MÉI EFTER HJRA HELD.DRVNK BJADA THÉR HJU MINTH.

2 Jedwedes Mannsbild darf das Weib seiner Küre freien,
und jede Tochter darf aber ihren Heiltrunk dem bieten, den sie minnt.

3. HETH HWA EN WIF NIMTH SA JÉFT MAN HJAM HUS AND WARV.
NIS THÉR NÉN SA MOT.AT BVWATH WRDE.

3 Hat jemand ein Weib genommen, so gibt man ihm Haus und Werf.
Ist keins da, so muß es gebaut werden.

4. IS.ER NÉI EN OTHER THORP GONGON VMB.EN WIF
AND WIL HI THÉR BILIWA
SA MOT MAN HIM THÉR EN HUS EN WARF JÉWA
BIJONKA THAT NOT FON THA HÉMRIK.

4 Ist er nach einem anderen Dorf gegangen um ein Weib
und will er dort bleiben,
dann muß man ihm allda ein Haus und Werf geben
nebst der Nutz-nießung der Hemrik (gemeine Dorfmark).

5. ALLERA MANNALIK MOT MAN EN AFTER DÉL AS WARF BY SINA HUS JÉVA.
THA NIMMAN NE MÉI EN FARDÉL BY SIN HUS NAVA
FUL MIN EN ROND.DÉL.
ALLÉNA. JEF HWA EN DAD DÉN HETH TO MÉNA NITHA
SA MÉI HIM THAT JÉVEN WRDE.
AK MÉI SIN JONGSTE SVN THAT ERVA.
AFTER THAM MOT THAT THORP THAT WITHER NIMA. {20}

5 Jedwedem Mannsbild muß man ein Afterteil als Werf bei seinem Haus geben;
denn niemand mag ein Vorderteil bei seinem Hause haben,
viel minder einen Rundteil.
Allein wenn jemand eine Tat getan hat zu gemeinem Nutzen,
so mag ihm das gegeben werden.
Auch mag sein jüngster Sohn das erben.
Nachdem muß das Dorf es wieder nehmen.

6. EK THORP SKIL EN HÉM.RIK HAVA NÉI SINA BIHOF
AND THÉNE GRÉVA SKIL NJVDA
THAT ALRA EK SIN DÉL BIDONGTH AND GOD HALD
TILTHJU THA AFTER.KVMANDE NÉN SKADA NAVT NE LYDA NE MVGE.

6 Ein jegliches Dorf soll eine Hemrik haben nach seinem Behuf
und der Graf soll des warten,
daß ein jeder seinen Teil dünget und gut hält,
auf daß die Nachfahren keinen Schaden erleiden mögen.

7. EK THORP MÉI EN MARK HAVA
TO KAP AND TO VR KAP JEFTA TO WANDELJA.
ALLE.T ORA LAND SKIL BVW AND WALD BILIVA.
THA THA BAMA THÉRA NE MÉI NIMMAN NAVT FALLA.
BUTA MÉNA RÉDA AND BUTA WÉTA THES WALD.GRÉVA.
HWAND THA WALDA SEND TO MÉNA NITHA.
THÉRVMBE NE MÉI NIMMAN THÉR MASTER OF SA.

7 Ein jegliches Dorf darf einen Markt haben
zum Kauf oder Verkauf oder zum Tausch.
All das andere Land soll Bau und Wald bleiben.
Doch die Bäume darin darf niemand fällen
sonder gemeinen Rat und sonder Wissen des Waldgrafen:
denn die Wälder sind zu gemeinem Nutzen.
Darum darf niemand deren Meister sein.

8. AS MARK.JELD NE MÉI THAT THORP NAVT MAR NI NIMMA
SA THA TILLIFTE [?that illifte?] DÉL FON THA SKAT.
HOR FON THA IN.HÉMAR NER FON THA FÉR.HÉMANDE.
AK NE MÉI THA MARK.SKAT NAVT ÉR VRSELLATH NE WERTHA
AS THAT ORA GOD.

8 Als Marktgeld darf das Dorf nicht mehr nehmen
als den elften [?zwölften?] Teil des (Markt-) Gutes,
weder von den Einheimischen noch von den Ausheimischen.
Auch darf der Marktschatz nicht eher verkauft werden
als das andere Gut.

9. ALLE.T MARK.JELD MOT JÉRLIKES DÉLATH WRDE.
THRJA DÉGAN FAR THÉRE JOL.DÉI.
AN HVNDRED DÉLUN TO DÉLANDE.

9 Alles Marktgeld muß jährlich geteilt werden,
drei Tage vor dem Jultag
in hundert Teile zu teilen.

10. THI GRÉVETMAN MIT SINUM GRÉVUM SKIL THÉR OF BURA TWINTICH DÉLA.
THÉNE MARK.RJUCHTER AND SINUM HELPAR. FIF DÉLA
MARK.JELD. TIAN DÉLA.
THJU FOLKESMODER ÉN DÉL.
THJU GA.MODER FJVWER DÉLA.
THAT THORP TJAN DÉLA.
THA ARMA. THAT IS THÉRA. THAM NAVT WARKA NI KUNNA NI MUGE
FIFTICH DÉLA.

10 Der Grevetmann mit seinen Grafen soll davon erheben zwanzig Teile;
der Marktrichter zehn Teile und seine Helfer fünf Teile;
[Marktgeld zehn Teile]
die Volksmutter einen Teil;
die Gaumutter vier Teile,
das Dorf zehn Teile;
die Armen, das sind die, welche nicht arbeiten können oder vermögen,
fünfzig Teile.

11. THÉRA THAM TO MARKA KVME
NE MUGON {21} NAVT NI WOKERJA.
KVMATH THÉR SVM. SA IS.T THÉRA FAMNA PLICHT
HJAM KANBÉR TO MAKJANA INVR THAT ÉLLE LAND.
TILTHJU HJA NIMMERTHE KÉREN NAVT WRDE TO ENG AMPT
HWAND SOKA HAVATH EN GIRA.LIK.HIRTE.
VMBE SKAT TO GARJA SKOLDE HJA ELLA VRRÉDA
THAT FOLK. THJU MODER. HJARA SIBBEN
AND TO THA LESTA HJARA SELVA.

11 Diejenigen, die zum Markt kommen,
dürfen nicht wuchern.
Kommen dawelche, so is es die Pflicht der Maiden,
sie kenntlich zu machen über das ganze Land,
auf daß sie nimmermehr gekoren werden zu irgendeinem Amt:
denn solche haben ein gieriges Herz.
Um Schätze zu sammeln, würden sie alles verraten,
das Volk, die Mutter, ihre Sippen
und zuletzt sich selber.

12. IS THÉR ANMAN ALSA ARG THAT.ER SJVCHT.SIAK FJA
JEFTHA VRDÉREN WÉR VRSELLATH VR HÉL GOD.
SA MOT THENE MARK.RJUCHTAR HIM WÉRA
AND THA FAMNA HIM NOMA INVR.ET ÉLLE LAND.

12 Is da einer so arg geworden, daß er sieches Vieh
oder verdorbene Ware verkauft für heil gutes,
so muß der Marktrichter ihm wehren
und die Maiden müssen ihn nennen über das ganze Land.

25 November 2012

9b) Wirth p.19-20

Übersetzung Ura Linda Chronik 1933 

{014/09}
THET HET FASTA SÉID.

ALLE SETMA THÉR EN ÉW. THAT IS HVNDRED JÉR
OMHLAPA MUGE MITH THA KRODAR AND SIN JOL.
THÉRA MUGON VPPA RÉD THÉRE MODER AND BY MÉNA WILLA
VPPA WÉGAR THÉRA BURGUM WRIT HWERTHA

Dies hat Festa gesagt
Alle Satzungen, die eine Ewe (Jahrhundert)
umlaufen mögen mit dem Kroder und seinem Jul,
die mögen auf Rat der Mutter und bei gemeinem Willen
auf die Wände der Burg geschrieben werden;

SEND HJA UPPA WÉGAR WRIT
THAN SEND HJA ÉWA
AND THAT IS VSA PLICHT
VMBE ALTHAM AN ÉRA TO HALDANDE.

sind sie auf die Wände geschrieben,
so sind sie Ewa (Gesetze),
und es ist unsere Pflicht,
sie allesamt in Ehren zu halten.

KVMTH NÉD AND TVANG VS SETMA TO JÉVANE
STRIDANDE WITHER VSA ÉWA AND PLÉGUM
SA MOT MANNESKA DVA ALSA HJA ASKJA
THACH SEND HJA WÉKEN
THAN MOT MAN AMMER TO THAT ALDA WITHER.KÉRA.
THAT IS FRYA.S WILLA
AND THAT MOT WÉSA THAM FON AL HJRA BARN.

Kommt Not und Zwang, uns Satzungen zu geben,
widerstreitend unseren Gesetzen und Gepflogenheiten,
so soll männiglich tun, wie sie heischen;
doch sind sie gewichen,
so soll man immer zu den alten wiederkehren.
Das ist Fryas Wille
und das muß der ihrer Kinder sein.

~ ~ ~ FASTA SÉIDE ~ ~ ~

ALLE THINGA THÉR MAN ANFANGJA WIL.
HOKA THAT AT MUGA WÉSA.
VPPA THA DÉI THÉR WY FRYA HELDGAD HAWA
THAM SKILUN ÉVG FALIKANT UTKVMA.

Festa sagte:
Alle Dinge, die man anfangen will,
welcher Art sie sein mögen,
an dem Tage, da wir Frya gehuldigt haben,
werden immer verkehrt ausgehen.«

NÉIDAM TID NW BIWYSD HETH
THAT HJU RIUCHT HÉDE.
SA IS THAT EN ÉWA WRDON.
THAT MAN SVNDER NÉD AND TVANG A FRYA HJRA DÉI
NAWET OWERS NI DVA NE MÉI
THA BLIDA FÉRSTA FIRJA.

Nachdem die Zeit nun bewiesen hat,
daß sie recht hatte,
so ist das ein Gesetz geworden,
daß man sonder Not und Zwang am Fryasag
nichts anderes tun soll
als froh Feste feiern.

9a) Wirth p.17-19

Übersetzung Ura Linda Chronik 1933

{011/13}
TEX. FRYA.S.
HELD BÉID THA FRYA.
TO THA LESTA SKILUN HJA MY HWITHER.SJA.
THACH THÉRA ALLÉNA MÉI IK AS FRY KANNA
THÉR NÉN SLAF IS FON ÉN OTHER NI FON SINE TOCHTA.
~ HIR IS MIN RÉD. ~

Fryas Rat
Heil harret der Freien.
Zuletzt werden sie mich wieder sehen.
Doch nur den allein mag ich als Freien anzuerkennen,
der kein Sklave ist eines anderen, noch seiner eigenen Leidenschaften.
Hier is mein Rat.

(1.) SAHWERSA THJU NÉD ARG SY.
AND GODE RÉD AND GODE DÉD NAWET MAR NE FORMUGE
HROP THAN THI GAST WR.ALDAS AN.
MEN J NE MOT.IM NAVT ANHROPA BIFARA ALLE THINGA PRVVATH SEND.
THA IK SEGZ TO JO MITH RÉDENE AND TID SKIL.ET WARA
THA MODELASA SKILUN AMMAR SWIKA VNDER HJARA AJN LÉD.

1 So wenn die Not arg ist
und guter Rat und gute Tat nichts mehr vermögen,
rufe dann den Geist Wraldas an.
Aber ihr sollt ihn nicht anrufen, bevor alle Dinge versucht sind.
Doch ich sage euch mit Grund und die Zeit wird es wahrmachen:
Die Mutlosen werden immer erliegen unter ihrem eigenen Leide.

2. WR.ALDAS GAST MÉI MAN ALLÉNA KNIBUWGJANDE TANK TOWIA.
JA THRJU WARA. FAR HWAT JV FON HIM NOTEN HAVE
FAR HWAT JV NITH AND FARA HAPE
THÉR HY JO LÉT AN ANGA TIDA.

2  Wraldas Geist soll man nur kniebeugend Dank weihen,
ja drei mal für das, was ihr von Ihm genossen habt,
für das, was ihr genießt, und für die Hoffnung,
die Er euch läßt in bangen Zeiten.

3. J HAWED SJAN HO RING IK HELPE LÉNDE.
DVA AL ÉN MITH JO NÉSTON.
MEN NE TOF NAVT TIL MAN {12} JO BÉDEN HETH.
THA LYDANDE SKOLDE JO FLOKA
MIN FAMNA SKOLDUN JVWA NAMA UFFAGA UT.AT BOK
AND IK SKOLDE JO LIK VNBIKANNADE OFWISA MOTA.

3  Ihr habt gesehen, wie bald ich Hilfe verlieh.
Tut also desgleichen mit eurem Nächsten.
Aber zaudert nicht [oder: "hilfe nicht" - Oth.], bis man euch gebeten hat.
Die Leidenden würden euch fluchen,
meine Maiden würden euren Namen auslöschen aus dem Buch
und ich würde euch gleich Unbekannten abweisen müssen.

4. NIM NAMMAR KNI.BUWGJANDE TANK FON.JV NÉSTON AN.
THJUS AGATH WRALDA.S GAST.
NID SKOLDE J BIKRJUPA. WISDOM SKOLDE J BILAKA
AND MIN FAMNA SKOLDON JO BITIDZA FON FADERRAV.

4 Nehmt nimmer kniebeugend Dank von eurem Nächsten an:
solches gehört dem Geiste Wraldas.
Neid würde euch bekriechen, Weisheit würde euch verlachen
und meine Maiden würden euch des Vaterraubes bezichtigen.

5. FJUWER THINGA SEND TO JVWE NOT JÉVEN.
MITH NAMA. LOFT. WÉTER. LAND AND FJUR.
MEN WR.ALDA WIL THÉR ALLÉNA BISITTAR OF WÉSA.

5 Vier Dinge sind zu eurem Nutzen gegeben,
mit Namen Luft, Wasser, Land und Feuer.
Aber Wralda will deren alleiniger Besitzer sein.

THÉRVMBE RÉD IK JO.
J SKILUN JO RJUCHTFÉRDIGA MANNA KIASA.
THAM THJU ARBÉD AND THA FRUCHDA NÉI RJUCHTA DÉLA.
SA THAT NAMMAN FRY FON WARKA NI FON WÉRA SY.

Darum rate ich euch,
ihr sollet euch gerechte Männer kiesen,
die die Arbeit und die Früchte nach Recht teilen,
so daß niemand frei von Werken noch von Wehren sei.

6. SAHWERSA THÉR AMMAN AMONG JO FVNDEN WARTH
THÉR SIN AJN FRYDOM VRSELLATH.
THAM N.IS NAVT FON JVW FOLK.
HI IS EN HORNING MITH BASTERD BLOD.

6  So wenn da unter euch einer gefunden wird,
der seine eigene Freiheit verkauft,
der ist nicht von eurem Volke:
er ist ein Horning (Hurenkind) mit Mischblut.

IK RÉDE JO THAT J HIM AND SIN MAM TO THAT LAND UT.DRIVA
SÉGZ THAT TO JVWA BARN.
THES MORNES. THES MIDDÉIS AND THES ÉWENDES
TILTHJU HJA THÉROF DRAME THES NACHTIS.

Ich rate euch, daß ihr ihn und seine Mutter aus dem Lande austreibt.
Sagt das euren Kindern
des Morgens, des Mittags und des Abends,
bis sie davon träumen des Nachts.

7. ALLERA MANNALIK THÉR EN OTHER FON SINE FRYDOM BIRAW
AL WÉRE THENE ORE HIM SKELDECH
MOT IK ANDA BARN.TAM ÉNER SLAFINE FARA LÉTA.

7 Jedweder, der einen anderen seiner Freiheit beraubt
– und wäre der andere ihm schuldig –
muß sich am Kindzaum einer Sklavin führen lassen.

THACH IK RÉDE JO VMBE SIN LIK AND THAT SINERA MAM
VPP.ÉNE KALE STÉD TO VRBARNANDE.
AFTERNÉI {13} HJARA ASKE FIFTICH FIT ANDA GRVND TO DALVANE
TILHJU THÉR NÉNEN GARS.HALM VP WAXA NI MÉI.
HWAND ALDULKERA GARS SKOLDE JVW DJAROSTA KVIK DÉJA.

Doch ich rate euch dazu, seine Leiche und die seiner Mutter
an einer kahlen Stätte zu verbrennen,
nachher ihre Asche fünfzig Fuß in die Erde einzugraben,
damit kein Grashalm daraus wachsen möge:
denn solches Gras würde euch euer teuerstes Getier töten.

8. NE GRIP NA THAT FOLK FON LYDA NER FON FINDA AN.
WR.ALDA SKOLDE HELPA HJAM.
SA THAT.AT WELD THAT FON JO UT.GONG
VPPA JVWA AJNA HAVEDA SKOLDE WITHER KVMA.

8  Greift nie das Volk Lydas noch Findas an.
Wralda würde ihnen helfen,
sodaß die Gewalt, die von euch ausginge,
auf eure eigenen Häupter wiederkommen würde.

9. SAHWERSA THAT MACHTE BÉRA
THAT HJA FON JUWE RÉD JEFTA AWET OWERS WILDE
ALSA AGHAT J TO HELPANE HJAM.
MEN KVMATH HJA TO RAWANDE
FAL THAN VPPA THAM NITHER LIK BLIXENANDE FJVR.

9 So wenn das möchte geschehen,
daß sie von euch Rat oder etwas anderes wollen,
so habt ihr ihnen zu helfen.
Aber kommen sie zu rauben,
fallt dann auf sie nieder gleich wie das blitzende Feuer.

10. SAHWERSA ANNEN FON HJAM
ÉNER JVWER TOGHATERUM TO WIF GÉRTH AND HJU THAT WIL.
THAN SKILUN J HJA HJRA DVMHÉD BITJVTHA
THACH WIL HJU TOCH HJRA FRÉJAR FOLGJA
THAT HJA THAN MITH FRÉTHO GA.

10 So wenn einer von ihnen
eine eurer Töchter zum Weibe begehrt und sie das will,
dann sollt ihr ihre Torheit ihr bedeuten;
doch will sie dennoch ihrem Freier folgen,
daß sie dann mit Frieden gehe.

11. WILLATH JVW SVNA FON HJARA TOGHATERUM
SA MOT J ALSA DVA AS MITH JVWA TOGHATERUM.
THACH HOR THA ÉNA NOR THA OTHERA MÉI WITHER KVMA.
HWAND HJA SKOLDUN UTHÉMEDA SÉDA AND PLÉGA MITH.FARA.
AND DRÉI THESSA BY JO HELDGAD WRDE
MÉI IK NAVT LONGER OVIR JO WAKA.

11 Wollen eure Söhne eine von ihren Töchtern,
dann müßt ihr also tun wie mit euren Töchtern.
Doch weder die einen noch die anderen dürfen wiederkehren;
denn sie würden ausheimische Sitten und Gepflogenheiten mitführen,
und sobald diesen bei euch gehuldigt wird,
mag ich nicht länger über euch wachen.

12. VPPA MINRE FAM FASTA HAV IK MIN HAP FASTEGTH.
THÉRVMBE MOST J HJA TO JO ÉRE. {14} MODER NÉMA.
FOLGATH J MIN RÉD THAN SKIL HJU NÉMELS MIN FAM BILIWA
AND ALLA FRANA FAMNA THÉR HJA FOLGJA.
THAN SKIL THJU FODDIK NAMER UTGA
THÉR IK FAR JO VPSTOKEN HAV.

12 Auf meine Maid Festa habe ich alle meine Hofnung gebaut.
Darum müsset ihr sie zur Ehrenmutter nehmen.
Folget ihr meinem Rat, dann wird sie fürder meine Maid bleiben
und desgleichen alle volkswaltenden Maiden, die ihr folgen;
dann wird die Lampe nimmer ausgehen,
die ich für euch angezündet habe.

THAT LJUCHT THÉRA. SKIL THAN ÉVG JVWE BRYN VPKLARJA.
AND J SKILUN THAN ÉVIN FRY BILYVA FON VNFRYA WELD
AS JVWA SWITE RINSTRAMA
FON THAT SALTE WÉTER THÉR ANDELASE SÉ.

 Deren Licht wird dann ewig euer Denken erhellen
und ihr werdet ewig frei bleiben von unfreier Gewalt
wie eure süßen Ströme
von dem salzigen Wasser der endelosen See.

10d) Wirth p.16-17

Übersetzung Ura Linda Chronik 1933

Neues (ueber Lyda) hinzugefugt (juli 2013) in Kursif.

{7}
LYDA WAS SWART. KROL.HÉRED ALSA THA LOMERA.
LIK. STARA BLONKON HJRA OGON.
JA THES GIRFUGELS BLIKKAR WÉRON VNMODICH BY HJRA.S.


Lyda war schwarz, kraushaarig als wie die Lämmer;
gleich Sternen blinkten ihre Augen,
ja des Geiervogels Blicke waren machtlos neben den ihren.

SKARPE LYDA.
ANNEN SANAKA KVN HJU KRUPPA HÉRA.
AND HWERSA THÉR FISKA INVR WÉTER WÉRE.
N.VNTGONG THAT HJRA NOSTERA NAVT.


Schafrsinnige Lyda.
Eine Schlange konnte sie kriechen hören
und wenn dort Fische im Wasser waren, entging das ihren Nasenlöcher nicht.

RAD.BVWDE LYDA.
EN STORE BAM KVN HJU BUGJA
AND SAHWERSA HJA RUN
NE BRAK NÉNE BLOMSTAL VNDER HJARA FYT.


Wohlgebaute Lyda.
Einen grosen Baum konnte sie beugen
und wenn sie rannte
brach keine Blumstengel unter ihren Füs.

WELDIGE LYDA.
HARD WAS HJRA STEME
AND KRÉT HJU UT GRIMME SA RUN EK FLUX WÉI.


Mächtige Lyda.
Laut war ihre Stimme
und wenn sie vor Zorn schrie, dann rannte jeder schnell davon.

WONDER.FVLLE LYDA.
FON ÉWA NILDE HJU NAVT NÉTA.
HJRA DÉDA WRDON THRVCH HJRA TOCHTA STJVRAT.
VMBE THA TÉDRA TO HELPANE.
DADE HJU THA STORA
AND HWERSA HJU.T DÉN HÉD GRAJDE HJU BY.T LIK.


Wundervolle Lyda.
Von Gesetzen wollte sie nichts wissen:
ihre Taten wurden von ihren Leidenschaften gelenkt.
[...]

ARME LYDA.
HJU WARTH GRIS FON.T VNWISSE BIJHELDA
AND VPPET ENDE
STURF HJA FON HIRTSÉR VMBE THA BARN RA KWAD.


[...]

VNWISA BARN.
HJA TICHTEGADON EKKORUM FON MAM RA DAD.
HJA GRAJADON LIK WOLVA.
FJVCHTADON ALSA
AND DAHWILE HJA THAT DÉDON
ÉTON THA FUGELON THAT LIK.
HWA MÉI SIN TARA HWITHER TO HALDANE.


[...]

FINDA. WAS GÉL AND HJR HÉR SA THA MANNA ÉNER HORS.
ÉNE THRÉ NE KV HJA NAVT NI BUGJA.
MEN HWÉR LYDA
{8} ANNEN LAVWA MACHT TO DÉJANDE
THÉR DADE HJA. WEL TJAN.


Finda war gelb und ihr Haar glich den Mähnen eines Rosses.
[...]

VRLÉDALIKE FINDA.
SVET WAS HJRA STEMME
AND NANNEN FUGEL KVN SJONGA LIK HJU.
HJRA OGON LOKTON AND LORDON
MEN THÉR.ER ANSACH WARTH SLAF.


[...]

VNRÉDALIKA FINDA.
HJU SKRÉF THUSANDE ÉWA.
THA HJU NE FOLGDE NÉN.ER FON VP.
HJU VRFYADE THA GODA VMBE HJARA FRYMOD.
THA AN SLIK.MAMKES JÉF HJU HJA SELVA HAST WÉI.


[...]
Sie schrieb tausende Gesetze,
doch sie befolgte nicht eines davon.
Sie verabscheute die Guten um ihres Freimutes willen,
doch den Schmeichlerinnen gab sie sich selber fast fort.

THAT WAS HIR VNLUK.
HJRA HAVED WAS TO FVL.
THA HJR HIRTE TO YDEL.
HJU NE MINDE NIMMAN SA HJA SELVA
AND HJU WILDE
THAT EK HJA LIAF HAWA SKOLDE.


[...]

FALSKE FINDA.
HUNING SWET WÉRON HJRA WIRDA.
THA HOK THAM HJA TRJVWADE
WÉRE VNLUK NÉI.BY.


[...]
Honigsüß waren ihre Worte,
doch dem, der ihnen traute,
war Unglück nah.

SELV.SJOCHTA.FINDA.
OVIR ELLA WILDE HJU WELDA.
AND HJRA SVNVM WÉRON LIK HJU.
FON HJARA SUSTERUM LÉTON HJA.RA THJANJA
AND EKKORUM SLOGON HJA VMB.ET MASTER.SKIP DAD.


[...]
Über alle wollte sie herrschen
und ihre Söhne waren ihr gleich;
deren Schwestern dienten ihnen
und einander schlugen sie (die Söhne) umdie Herrschaft tot.

DUBBEL.HIRTA.FINDA.
VMBE SKOTSE WIRDA WARTH HJU IRE.
AND THA ARGSTE DÉDA. NE RORDE HJA NAVT.
SACH HJU EN NYNDASK EN SPINNE VRSLYNNA
THAN WARTH HJU OMM.ET.HIRTE SA IS.
MEN SACH HJU HJRA BARN EN FRYA.S VRMORDE
SA SWOL HJRA BOSM FON NOCHT.


[...]

VN.LUKE.FINDA.
HJU STURF ANDA BLOM.TID FON HJRA LÉVA.
AND.T IS JETA TJVESTER HO HJU FALLEN IS.


[...]


{9}
SKIN.HÉLIGA BARN.
VNDER KESTLIKE STÉNA LÉIDON HJA HJRA LIK DAL.
MITH KWABBJANA SKRIFTUM SMUKTON HJA THAM VPPA.
TOGRAJANDE VMBE HÉRATH TO WARTHANDE.
MEN AN STILNISE NE WÉNADON HJA NÉNEN ÉNGE TAR.


[...]

VR.FYALIK FOLK.
THI TEX THÉR FINDA NÉI.LÉT.
WAS IN GOLDEN BLÉDAR WRYT.
THACH THA BESTA HWÉR.FAR I MAKAD WAS.
WÉR I NAMMER TO NOT.
THA GODA ÉWA WRDON UT.FAGAD
AND SELV.SJOCHT WRYTE THÉR KWADA FAR IN.


[...]

O. FINDA.
THA WARTH JRTHA FVL BLOD.
AND THA HAVEDA THÉR MANNISKA
MAJADON THIN BARN LIK GARS.HALMA OF.
JA FINDA THAT SEND THA FRUCHDA . THINERA YDLENISE.
SJAN DAL FON THINRE WAKSTAR AND WÉN.


[...]

{in Kursivschrift ist eine neue Überstzung zugegfügt, von Urs Ch. Meyer, 2009}
 
FRYA WAS WIT LIK SNÉI BY.T MORNE.RAD
AND THAT BLAW HJRAR OGNUM.
WN.ET JETA THÉRE RÉINBOGE OF.


Frya war weiß gleich Schnee im Morgenrot,
und das Blau ihrer Augen
überwand das des Regenbogens.

Frya war weiss wie Schnee im Morgenrot
und das Blau ihrer Augen
war schöner als der Regenbogen.


SKÉNE FRYA.
LIK STRÉLON THÉRE MIDDÉI SVNNE
BLIKADON HJRA HÉRON
THÉR SA FIN WÉRON AS RACH.


[...]
Wie die Strahlen der Mittagsonne
glänzten ihre Haare,
die so fein waren wie Spinngewebe.

Schöne Frya,
wie die Strahlen der Mittagssonne
glitzerten ihre spinnwebfeinen Haare.


ABELE.FRYA.
VNTLVKTON HJRA WÉRA.
THAN SWÉGON THA FUGELON
AND NE RORDON THA BLÉDAR NAVT MAR.


[...]

Mächtige Frya,
öffneten sich ihre Lippen,
dann schwiegen die Vögel
und es rührten sich die Blätter nicht mehr.


WELDIGE.FRYA.
THRVCH THENE KRAFT HJRAR BLIKKAR
STRÉK THENE LAWA TOFARA HJARA FYT DAL
AND HELD THENE ADDUR SIN GIF TO BAK.


[...]

Gewaltige Frya,
durch die Kraft ihrer Blicke
legte sich der Löwe vor ihren Füssen nieder
und die Otter hielt ihr Gift zurück.


RÉNE FRYA.
HJRA YTA WAS HUNING
AND HIRA DRANK WAS DAWA.
GADVRAD ANDA BOSMA THÉRA BLOMMUN.


[...]
Ihre Speise war Honig
und ihr Getränk war Tau,
gesammelt aus den Blüten der Blumen.

Reine Frya,
ihre Speise war Honig
und ihr Trank war Tau
versammelt wie am Busen der Blumen.


{10}
LICHTE FRYA.
THAT FORMA HWAT HJU HIRA BARN LÉRDE WAS SELV.TWANG.
THAT OTHERA WAS LIAFTE TO DUGED.
AND THA HJA JÉROCH WRDON.
THA LÉRDE HJU HJAM THJU WÉRTHA FON THA FRYDOM KANNA.


Lichte Frya.
Das erste, was sie ihre Kinder lehrte, war Selbstzucht;
das andere war Liebe zur Tugend;
und als sie jährig geworden,
da lehrte sie sie den Wert der Freiheit kennen.

Lichte Frya,
das Eine was sie ihren Geborenen lehrte war Selbstbeherrschung.
Das Andere war Liebe zur Tugend.
Und wenn sie volljährig wurden
lehrte sie ihnen den Wert der Freiheit zu erkennen.


HWAND SÉIDE HJU.
SVNDER FRYDOM SEND ALLE OTHERA DUGEDON.
ALLÉNA GOD VMBE JO TO SLAVONA TO MAKJANDE.
JVWE OFKVMSTE TO ÉVGE SKANTHA.


»Denn«, sagte sie,
»ohne Freiheit sind alle anderen Tugenden
allein gut, um euch zu Sklaven zu machen,
eurer Herkunft zu ewiger Schande.«

Weil sie sagte:
Ohne Freiheit sind alle anderen Tugenden
nur gut euch zu Sklaven zu machen
und eure Vorfahren kommen zu ewiger Schande.


MILDE FRYA.
NAMMER LIT HJU MÉT.AL UT JRTHA DALVA VMB AJN.BAT.
MEN SAHWERSA HJU.T DÉDE.
WÉRE.T TO JAHWELIKIS NOT.


Milde Frya.
Nimmer ließ sie Erz aus der Erde schürfen um Eigennutz,
sondern wenn sie es tat,
war es zu jedermanns Nutze.

Milde Frya,
nie liess sie Metall aus der Erde heben zum eigenen Gewinn.
Wenn sie es tat
dann war es zu aller Nutzen.


LUKIGOSTE FRYA.
ALSA THA STARA OM JRTHA OM.SWIRMJA
SWIRMDON HIARA BARN OM HJA.


Glücklichste Frya.
[...]

Glückseelige Frya,
wie die Gestirne die Erde umschwärmen,
schwärmten ihre Kinder um sie.


WISE FRYA.
THA HJU HIRA BARN VPBROCHT HÉDE ALTO THÉRE SJUGONDE KNY.
THA HROP HJU.RA ALLE A FLILAND TO SAMNE.
THÉR JÉF SE HJAM HIRA TEX. AND SÉIDE.
LÉT THAM JVWE WÉI.WISAR WÉSA.
THA NE SKIL THAT JO NA NAVT KWALIK NI GA.


[...]
Als sie ihre Kinder aufgezogen bis ins siebente Knie (Geschlecht, Grad der Verwandschaft),
da rief sie alle nach Flyland.
Dort gab sie ihnen ihren Rat (Tex) und sagte:
»Laßt diesen euren Wegweiser sein,
so wird es euch niemals übel ergehen.«

Weise Frya,
als sie ihre Kinder aufgezogen hatte bis zur siebten Generation,
rief sie alle auf Flyland zusammen.
Dort gab sie ihnen ihre Schriften und sagte:
Lasset diese euren Wegweiser sein
dann werdet ihr nie Qualen erleiden.


UT.FOR.KÉRENA FRYA.
THA HJU SÉID HÉDE.
BÉVADE JRTHA LÎK WR.ALDA.S SÉ.
FLILANDIS BODEM SVNK AN.GRADA VNDER HJARA FYT DAL.
THJU LOFT WART SWART AND NILOF FON TARA TO STIRTANE


[...]

Auserkorene Frya,
als sie das gesagt hatte 

bebte die Erde wie das Weltmeer.
Flyland sank nach und nach unter ihren Füssen nieder.
Der Himmel wurde schwarz und aus ihm stürzten Tränen ohne Ende.


AND THA HJA NÉI MODER OM.SAGON
WAS HJU AL.LANG VPRIRA WAKSTAR.
THA TO THA LESTA SPRAK TONGAR UT.A WOLKA
AND BLIXEN SKRÉF AN.THAT LOFT.RVM.
WAK.


[...]
 
Und als sie sich nach ihrer Mutter umsahen,
war sie schon lange auf ihrem Wächterstern.
Und zu den letzten sprach Donner aus den Wolken
und Blitze schrieben an das Himmelszelt: 

Erwachet!
 
FAR.SJANDA.FRYA.
THAT LAND FON HWÉR HJU WAS VPFAREN
{11}
WAS NW EN STRAM.
AND BUTA HIRA TEX WAS THÉR.IN ELLA BIDVLWEN
HWAT FON HJRA HONDUM KÉMEN WAS.


[...]

Weitsichtige Frya,
das Land, von wo sie gesegelt war,
war nun ein Strom,
der ausser Ihren Schriften
alles was aus ihren Händen gekommen war bedeckte.


HÉRIGA.BARN.
THA HJA TO.RA SELVA WÉRON.
THA MAKADON HJA THIT HAGE THERP
BVWADON THAS BURCH THÉR VPPA.
ANDA WAGRUM THESSA WRYTON HJA THENE TEX.


[...]

Gehorchende Kinder,
als sie nicht mehr ausser sich waren,
suchten sie diesen hohen Hügel,
und bauten die Burg darauf.
An die Mauern dieser schrieben sie ihre Schriften.


AND VMBE THAT ALLERA MANNALIK HJA SKOLDE MUGA FINDA
HAVATH HJA THAT LAND RONDOMME TEX.LAND HÉTEN.
THÉRVMBE SKIL.AT BILIWA ALWENNE JRTHA.
JRTHA SY.


[...]
 
Und damit alle Menschen sie finden mögen,
haben sie das umliegende Land «Texland» genannt.
Und so soll es bleiben, solange die Erde, 

Erde ist.
 
[Kommentar Wirth:] Es folgt nun die bereits erwähnte Entrückung der Frya und Himmelfahrt zu ihrem Wachstern, dem Abend- und Morgenstern. Wie Wraldas See hätte die Erde gebebt, Flylands Boden versank unter den Fluten. Donner sprach aus den Wolken und Blitz schrieb am Himmelsraum »Wache«. Die Fryaskinder hätten nun eine hohe Werf gemacht und darauf die Burg gebaut, an dessen Wänden sie Fryas Tex schrieben; und damit jedermann ihn da finden könnte, hätten sie das Land Texland genannt. »Darum wird es bleiben, solange Irtha Irtha ist«, heißt es zum Schlusse.
Das nun Folgende, die Gesamtheit der alten heiligen Volksgesetze, die an die mythische Gestalt der Stammutter Frya angeknüpft und Fryas »Rat« oder »Lehre« genannt werden, dürfte uraltes Erbgut sein.

10a) Wirth p.15-16

Übersetzung Ura Linda Chronik 1933

{5/30}
THIT STAND VPPA THA WAGUM ET FRYA.S BURCH TO TEX.LAND A.SKRIWEN.
THAT STÉT AK TO STAVIA AND TO MÉDÉA.S BLIK.


Dies stand auf den Wänden der Fryasburg zu Texland geschrieben;
dies steht auch zu Stavia und zu Medeasblik.


{6}
THAT WAS FRYA HIS DÉI
AND TO THÉRE STONDE WAS.T VRLÉDEN SJVGUN WARA SJVGUN JÉR.
THAT FASTA WAS ANSTALD AS FOLK.MODER NÉI FRYA.S JÉRTA.
THJU BURCH MÉDÉA.S.BLIK WAS RÉD AND EN FAM WAS KÉREN.


Es war Fryastag,
und zur Stund war es sieben mal sieben Jahre her,
daß Festa als Volksmutter nach Fryas Begehren eingesetzt worden war.
Die Burg Medeasblik war vollendet und eine Maid gekoren worden.

 
NW SKOLDE FASTA THJU NÉJA FODDIK VPSTÉKA.
AND THA THAT DÉN WAS AN AJNWARDA FON THAT FOLK
THA HROP FRYA FON HIRA WAK.STARE
SA THAT ALLERAMANNALIK THAT HÉRA MACHTE.


Nun sollte Festa ihre neue Lampe anzünden;
und als sie das getan hatte in Anwesenheit des Volkes,
da rief Frya von ihrem Wachstern,
so daß ein jeder es zu hören vermochte:
 

FASTA. NIM THINRA STIFTE AND WRYT THA THINGA
THÉR IK ÉR NAVT SEDSA NE MACHTE.
FASTA DÉDE ALSA HJA BODEN WARTH.
SA SEND WY FRYA.S BARN.A VSA FORMA SKÉDNISE KÉMEN.


»Festa, nimm deinen Stift und schreibe die Dinge,
die ich nicht sagen konnte.«
Festa tat, also ihr geboten war.
So sind wir, Fryas Kinder, zu unserer ältesen Geschichte gekommen.

~ ~ ~ THAT IS VSA FORMA SKÉDNISE. ~ ~ ~
WR.ALDA THAM ALLÉNA GOD AND ÉVG IS.
MAKADE T.ANFANG. DANA KÉM TID.
TID WROCHTE ALLE THINGA. AK JRTHA.


Dies ist unsere Älteste Geschichte ~
Wralda, der allein gut und ewig ist,
machte den Anfang, dann kam die Zeit;
die Zeit schuf alle Dinge, auch die Erde (Irtha).

 
JRTHA BARDE ALLE GARSA KRUDON AND BOMA.
ALLET DJARA KWIK AND ALLE.T ARGE KWIK.
ALHWAT GOD AND DJAR IS. BROCHT HJU BY DÉGUM
AND ALHWAT KWAD AND ARG IS. BROCHT HJU THES NACHTIS FORTH.
AFTER.ET TWILIFTE JOL.FÉRSTE BARDE HJU THRJA MANGÉRTA

 

Irtha gebar alle Gräser, Kräuter, Bäume,
all das liebe und all das arge Getier.
Alles, was gut und lieblich ist, brachte sie am Tage
und alles, was übel und arg ist, brachte sie zur Nachtzeit hervor.
Nach dem zwölften Julfest gebar sie drei Maide:

 
LYDA WARTH UT GLIANDE
FINDA WARTH UT HÉTA. AND
FRYA WARTH UT WARME STOF.
THA HJA BLAT KÉMON SPISDE WR.ALDA HJAM MITH SINA ADAMA.
TILTHJU THA MANNESKA AN HIM SKOLDE BVNDEN WÉSA.


Lyda ward aus glühendem,
Finda ward aus heißem und
Frya aus warmem Staube.
Da sie bloß kamen, speiste Wralda sie mit seinem Odem.
[...]

 
RING AS HJA RIP WÉRON KRÉJON HJA 

FRUCHDA AND NOCHTA ANDA DRAMA.
WR.ALDA.S OD TRAD TO RA BINNA.
AND NW BARDON EK TWILIF SVNA AND TWILIF TOGETHERA.
EK JOL.TID TWÉN.
THÉROF SEND ALLE MANNESKA KÉMEN.
 


[Wenn sie reif waren bekamen sie 
Früchte und Nüsse (Freude und Vergnügen) in ihre Träume.]
[Wraldas] Od (Gottes Odem) trat zu ihnen ein
und nun gebar jede zwölf Söhne und zwölf Töchter,
eine jegliche Julzeit zween.
Davon sind alle Menschen gekommen.

8a) Wirth p.13

Übersetzung Ura Linda Chronik 1933

{1256 CE ~ Hidde Oer-A Linda}

OKKE MIN SVN.
THISSA BOKA MOT I MITH LIF AND SÉLE WARJA.
SE VMBIFATTATH THJU SKÉDNISSE FON VS ÉLE FOLK
AK FON VSA ÉTHLUM.


Okke, mein Sohn!
Diese Bücher mußt Du mit Leib und Seele wahren.
Sie umfassen die Geschichte unseres ganzen Volkes
und unserer Ahnen.

VRLÉDEN JÉR HAB IK THAM UT.ER FLOD HRED
TOLIK MITH THI AND THINRA MODER.
THA HJA WÉRON WET WRDEN.
THÉRTHRVCH GVNGON HJA AFTERNEI VRDARVA.


Vergangenes Jahr habe ich sie aus der Flut gerettet
mit Dir und Deiner Mutter.
Aber sie waren naß geworden:
dadurch fingen sie nachher an zu verderben.

VMBE HJA NAVT TO VRLYSA
HAB IK RA VP WRLANDISK PAMPIER WRSKRÉVEN.
SAHWERSA THV SE ERVE. MOT THU SE AK WRSKRIVA.
THIN BARN ALSA TILTHJU HJA NIMMERTHE WÉI NAVT NE KVMA.


Um sie nicht zu verlieren,
habe ich sie auf ausländischem Papier abgeschrieben.
Sowenn Du sie erben wirst, sollst Du sie auch abschreiben.
Deine Kinder desgleichen, damit sie nimmermehr verloren gehen.

SKRÉWEN TO LJUWERT. NÉI ATLAND SVNKEN IS.
THAT THRJA THUSOND.FJVWER HVNDRED
AND NJUGON AND FJVWERTIGOSTE JÉR.


Geschrieben zu Ljuwert, nachdem Atland versunken ist,
das dreitausendvierhundert-
neunundvierzigste Jahr,

THAT IS NEI KERSTEN RÉKNONG
THAT TVELF.HVNDRED.SEX AND FIFTIGOSTE JÉR.
HIDDE TOBINOMATH OER.A LINDA.
WAK.


das ist nach der Christen Rechnung
das zwölfhundertsechsundfünfzigste Jahr.
Hidde zugenannt Ura Linda (Über die Linden).
–– Wache.


~ ~ ~ ~ ~ ~

{803 CE ~ Liko Ovira-Linda}

LJAWA ERVNOMA.
VMB VSA LJAWA ÉTHLA.S WILLE
AND VMB VSA LJAWA FRYDOM.S WILLE,
THVSAND WARA SA BIDD.IK TO JO.

 

Liebe Erben!
Um unserer lieben Ahnen willen 

und um unserer Freiheit willen 
tausendmal so bitte ich Euch –

OCH LJAWE NE LÉT THA AGON ÉNIS PAPEKAPPE
TACH NIMMERTHE OVER THISSA SKRIFTA NE WÉJA.
HJA SPRÉKATH SWÉTA WIRDA, MEN HJA TORNATH VNMARKSÉM
AN ALLES HWAT FON VS FRYAS TREFTH.


ach Lieben, lasset doch nie die Augen einer Pfaffenkappe 

über diese Schriften weiden. 
Sie sprechen süße Worte, aber sie reißen unmerklich 
an allem, was uns Friesen betrifft.

VMBE RIKA PREBENDE TO WINNANDE
SA HÉLATH HJA MITH THA POPPA KENINGGAR.
THISSA WÉTATH THAT WI HJARA GRATESTE FJANDA SEND.
THRVCHDA WI HJARA LJUDA TO SPRÉKE THVRA,
VR FRYDOM RJUCHT AND FORSTNE PLICHT.


Um reiche Pfründen zu gewinnen, 

halten sie zu den fremden Königen. 
Diese wissen, daß wir ihre größten Feinde sind, 
weil wir zu ihren Leuten zu sprechen wagen 
von Freiheit, Recht und Fürstenpficht.

THERVMBE LÉTATH HJA ALLES VRDILIGJA.
HWAT FON VSA ÉTHLUM KVMTH
AND HWAT THÉR JETA REST FON VSA ALDA SÉDUM.


Darum lassen sie alles austilgen, 

was von unseren Ahnen kommt 
und was da noch verbleibt von unseren alten Sitten.

OCH LJAWA IK HAV BY THAM ET HOVE WÉST.
WIL WR.ALDA.T THJELDA
AND WILLATH WI VS NAVT STERIK NE MAKJA.
HJA SKILUN VS ALGADUR VRDILIGJA.


Ach, Lieben, ich bin bei ihnen am Hofe gewesen.
Will Wralda es dulden
und machen wir uns nicht stark,
so werden sie uns allesamt noch austilgen.

SKRÉVEN TO LJUD.WERD.
ACHT.HONDRED AND THRJU JÈR, NÉI KERSTEN BIGRIP.
LIKO TONOMATH OVIRA.LINDA.


Geschrieben zu Ljudwerd,
achthundertunddrei Jahre nach der Christen Meinung.
Liko zugenannt Ovira Linda (Über die Linden).

04 November 2012

8a) NL ~ EN ~ DU

1. Original manuscript
2. Dutch translation Jan Ottema 1872
3. English ,, William Sandbach 1876
4. German ,, Herman Wirth 1933